Fragen & Antworten

Im Folgenden wollen wir euch einige Fragen beantworten, die wir immer wieder hören. Wir wollen auf diese Weise außerdem mit einigen Vorurteilen aufräumen.


Was sind denn Demosanitäter*innen?

Viele die zum ersten Mal das Wort “Demosanitäter*in” lesen werden sich sicherlich fragen “Was ist denn das?”. Und genau diese Frage hören wir natürlich auch immer wieder. Wer nicht regelmäßig auf Demonstrationen geht, wird das Wort ggf. auch gar nicht damit verbinden, sondern denken, dass es darum geht etwas zu demonstrieren, also vorzuführen. Doch das ist falsch. Der Begriff “Demosanitäter*in” beschreibt Sanitäter*innen, die Versammlungen nach dem Versammlungsgesetz bzw. nach Artikel 8 des Grundgesetzes, also Demonstrationen und Kundgebungen sanitätsdienstlich absichern und bei Bedarf medizinische Hilfe leisten. Es gibt eine ganze Reihe selbstständiger Gruppen, die sich dieser Aufgabe verschrieben haben. Wir sind die älteste existierende Gruppe dieser Art.


Zu welcher Hilfsorganisation gehört ihr?

Als kleine Organisation, die vor allem in Nischenbereichen aktiv ist, ist es klar, dass uns viele Menschen nicht kennen. Daher fragt man uns häufig im Einsatz nach unserer Zugehörigkeit zu einer der großen und bekannten Hilfsorganisationen. Wir sind jedoch ein vollständig eigenständiger, gemeinnütziger Verein mit Sitz in Stuttgart, der bereits seit 1997 tätig ist und keiner anderen Organisation oder Verband angehört. Auch von anderen Demosanitätsgruppen sind wir unabhängig, die ihrerseits selbstständig und eigenverantwortlich tätig sind.


Wo seid ihr aktiv und wo ist euer Einsatzgebiet?

Unser Verein hat seinen Sitz in Stuttgart. Dort befinden sich auch unsere Vereinsräumlichkeiten. Außerdem befindet sich in Frankfurt a.M. eine weitere Ortsgruppe im Aufbau. Entsprechend sind wir vor allem im Großraum Stuttgart und im Rhein-Main-Gebiet im Einsatz. Aber auch das Gebiet dazwischen ist für uns tendenziell besser erreichbar. Bei größeren Ereignissen kann man unsere Einsatzkräfte aber auch im gesamten Bundesgebiet antreffen. Wenn ihr für eure Veranstaltung noch eine Sanitätsdienst in unserer Region benötigt, dann schreibt uns über das Anfrage-Formular.


Seid ihr überhaupt richtige Sanitäter*innen?

Immer wieder werden wir gefragt, ob wir denn überhaupt richtige Sanitäter*innen wären. Viele Menschen verbinden offensichtlich Sanitäter*innen mit den große Hilfsorganisationen und sind sich unsicher, ob auch bei kleineren unbekannteren Organisationen die gleichen Standards für die Ausbildung der Sanitätskräfte gelten. Wir können diese Frage mit einem klaren “Ja!” beantworten. Alle unsere Sanitätskräfte besitzen medizinische Qualifikationen, mindestens eine Sanitätsausbildung, wie sie auch im Ehrenamt der großen Hilfsorganisationen üblich ist. Selbst ausbilden können wir diese leider aktuell aus Ressourcengründen nicht, sodass diese Ausbildungen mitgebracht werden müssen. Viele unserer Sanitäter*innen sind auch deutlich höher ausgebildet und besitzen teilweise auch vollständige Berufsausbildungen aus dem medizinischen Bereich. Unsere Einsatzkräfte für Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) verfügen über entsprechende Qualifikationen für ihre Tätigkeit, zum Beispiel eine PSNV-Grundausbildung. Alle Ausbildungen müssen dem Verein mit einer Bescheinigung nachgewiesen werden, sodass wir sicher gehen können, dass die Ausbildungen auch wirklich abgelegt wurden. Wo “Sanitäter*in” darauf steht, soll schließlich auch ein*e Sanitäter*in drin sein, damit ihr euch auf uns verlassen könnt.


Was habt ihr dabei und wie schwer sind eure Rucksäcke?

Je nach Qualifikation führen unsere Einsatzkräfte Rettungsrucksäcke von 15 bis 30kg mit sich. Dabei ist das jeweilige Material auf die Ausbildung der jeweiligen Einsatzkräfte abgestimmt, sodass auch nur das mitgeschleppt wird, was real verwendet werden kann. Grundsätzlich sind die Rucksäcke so aufgebaut, dass jede Einsatzkraft im Notfall selbstständig arbeiten kann, ohne dass etwas Essentielles fehlt. Um auch bei vielen Verletzten oder wenn der Rettungsdienst nicht zu uns vordringen kann möglichst lange durchzuhalten, haben wir vergleichsweise hohe Mengen Material dabei. Mehr zu unserer Ausstattung findest du auch weiter unten auf der Seite Demosanitätsdienste.


Wer hat euch beauftragt? Habt ihr eine Genehmigung?

Immer wieder werden wir gefragt, wer uns beauftragt hat und ob wir eine Genehmigung für unsere Tätigkeit vorweisen können. Dabei wird typisch deutsch davon ausgegangen, dass es für alles in der Bundesrepublik erstmal einer behördlichen Genehmigung bedarf. Dem ist allerdings mit Nichten so. Grundsätzlich muss zunächst zwischen dem öffentlichen Rettungsdienst, der sich in Notfallrettung und Krankentransport gliedert, dem Katastrophenschutz und Sanitätswachdiensten (kurz Sanitätsdienste) unterschieden werden. Der öffentliche Rettungsdienst kommt, wenn man das Telefon zückt und bei einem medizinischen Notfall die 112 wählt (Notfallrettung) oder man die Leitstelle benachrichtigt, weil eine erkrankte Person zum Arzt, zu einer Ärztin oder ins Krankenhaus transportiert werden muss (Krankentransport). Die Notfallrettung geschieht im öffentlichen Auftrag, wird also staatlich vergeben. Ähnlich ist es beim Katastrophenschutz, der ebenfalls in staatlichem Auftrag aktiv wird. Der Krankentransport wird durch verschiedene Hilfsorganisationen und private Dienstleister*innen abgewickelt. Er bedarf je nach gesetzlicher Regelung im jeweiligen Bundesland wirklich einer behördlichen Genehmigung. Anders verhält es sich bei Sanitätswachdiensten bei Veranstaltungen. Egal ob es sich um eine Demonstration oder das Dorffest handelt, die sanitätsdienstliche Absicherung geschieht nicht im staatlichen Auftrag, sondern im Auftrag der jeweiligen Veranstalter*innen. Auch wir werden von den Veranstalter*innen angefragt und beauftragt. Dabei haben wir als gemeinnütziger Verein den selben rechtlichen Status wie die großen, bekannten Hilfsorganisationen.


Ist Gewalt zu erwarten, wenn ihr da seid?

Viele Menschen unterliegen dem grundsätzlichen Missverständnis, dass Sanitätskräfte auf Demonstrationen nur dafür da wären gewalttätige Auseinandersetzungen abzusichern und sonst nicht notwendig wären. Oft heißt es dann “Die haben sogar einen eigenen Sanitätsdienst, die wollen sicher wieder Krawall machen!”. Auch wenn es bei Demonstrationen immer wieder unbestreitbar ein erhöhtes Gefahrenpotential durch mögliche Auseinandersetzungen gibt, so stellt unsere Anwesenheit mit Nichten eine Absichtserklärung der Demonstrant*innen dar, gewalttätig zu sein. Ganz im Gegenteil ist die Beauftragung eines Sanitätsdienstes eine umsichtige Maßnahme zum Wohle aller. Überall dort, wo viele Menschen zusammen kommen, entsteht aufgrund verschiedenster Faktoren die Notwendigkeit für einen Sanitätsdienst. Das betrifft die Demonstration dabei genauso wie das Sommerfest des örtlichen Sportvereins, der selbstverständlich ebenfalls einen Sanitätsdienst beauftragt hat. Witterung, Personenzahl, Alter der Teilnehmenden, körperliche Aktivität und vieles mehr sind dabei nur einige Aspekte die für medizinische Notfälle sorgen können.


Seid ihr Teilnehmer*innen der Demonstration?

Als Sanitätsdienst sind wir für die notfallmedizinische Absicherung der Veranstaltung bzw. Versammlung zuständig. Unsere Aufgabe besteht darin die Sicherheit der Teilnehmer*innen zu gewährleisten. Jeder Mensch hat ein Recht auf eine medizinische Versorgung, ohne dass dadurch andere Rechte eingeschränkt werden. Selbst an der Versammlung teilnehmen tun wir nicht. Wir sind dafür da, dass andere ihr verfassungsmäßig garantiertes Grundrecht auf Versammlungsfreiheit möglichst gefahrlos wahrnehmen können. Daher verwenden wir keinerlei Versammlungsmittel (Transparente, Fahnen, Schilder mit Forderungen, etc.) um unsere privaten politischen Ansichten kund zu tun. Wir skandieren keine Parolen und laufen auch nicht in der Demonstration mit, sondern sichern diese von außerhalb ab. Dadurch fallen unsere Einsatzkräfte, ähnlich wie beispielsweise auch die Presse, nicht unter die Regularien des Versammlungsgesetzes und dürfen beispielsweise auch Helme zum Eigenschutz mitführen (siehe auch Urteil des Landgerichts Berlin von 2018). Diese Vorgehensweise gibt uns die Möglichkeit euch optimal helfen zu können, wenn ihr ein medizinisches Problem habt.


Seid ihr solidarisch mit den Demonstrant*innen?

Nicht umsonst zählt die Solidarität zu unseren sechs Grundsätzen. Wir sehen uns nicht als losgelöste Dienstleister*innen, die eigentlich nichts mit den Veranstalter*innen zu schaffen haben. Im Gegenteil begreifen wir uns als professionelle Struktur in einem solidarischen Miteinander. Dabei versorgen wir verletzte Demonstrationsteilnehmer*innen nicht nur medizinisch, sondern setzen uns auch konkret für deren Rechte ein. Nur mit einem vertrauensvollen Verhältnis zu Veranstalter*innen und Teilnehmer*innen kann die Versorgung von Verletzten auf Demonstrationen gelingen. Dabei heißt es Hand in Hand zu arbeiten und sich solidarisch zu unterstützen. Auf einer Demonstration kümmert sich nicht nur der Sanitätsdienst um die Verletzten, sondern alle packen zum Wohle aller gemeinsam mit an. Diese gegenseitige Hilfsbereitschaft macht die Versorgung vieler Verletzter mit wenigen Sanitätskräften und Ressourcen erst möglich und schafft den notwendigen Freiraum, dass wir uns um schwerer Verletzte kümmern können ohne dass leichter Verletzte vernachlässigt werden. Solidarität macht uns gemeinsam stärker!


Sind die Informationen sicher, die ich euch anvertraue?

Ebenfalls einer unserer Grundsätze ist die Anonymität. Der Schutz eurer Persönlichkeitsrechte ist für uns eine Herzensangelegenheit. Wir glauben, dass ungehinderter Zugang zu medizinischer Versorgung nur dann möglich ist, wenn sichergestellt ist, dass einem durch deren Wahrnehmung keine Nachteile entstehen. Dabei verfolgen wir das Grundprinzip, dass wir keine Informationen weitergeben können und auch niemand sie sich bei uns holen kann, wenn wir sie gar nicht erst besitzen. Daher behandeln wir euch auf Versammlungen i.d.R. anonym und fragen euch nicht nach eurem Namen. Wir werden euch zwar nach medizinisch notwendige Informationen, wie zum Beispiel euren Allergien fragen, nicht aber danach was ihr ggf. Strafbares gemacht oder eben auch nicht gemacht habt. Das solltet ihr uns auch nicht ungefragt erzählen, weil wir dies gar nicht wissen müssen. Doch auch was wir notwendigerweise erfahren, behalten wir selbstverständlich für uns und geben es nur dann weiter, wenn dies für die medizinische Behandlung erforderlich ist (z.B. medizinische Informationen bei einer notwendigen Übergabe an den öffentlichen Rettungsdienst). Polizei, Staatsanwaltschaft und andere Behörden erhalten natürlich, wie es auch die Schweigepflicht vorsieht, keinerlei Informationen über euch.


Wieso veröffentlicht ihr so viel?

Wir sind uns bewusst, dass jegliche Öffentlichkeitsarbeit eine Selbstdarstellung ist und daher schnell den Eindruck erwecken kann, man würde sich als etwas Besonderes oder für außergewöhnlich wichtig erachten. Dies ist nicht unsere Intention hinter unseren Veröffentlichungen. Unsere Öffentlichkeitsarbeit auf unserer Webseite und in den sozialen Netzwerken hat den Sinn, euch umfassend über unsere Arbeit zu informieren. Wir wollen es Veranstalter*innen von Demonstrationen und nicht kommerziellen Kulturveranstaltungen so einfach wie möglich machen uns zu finden und anzufragen. Da medizinisches Material leider teuer ist, sind wir außerdem auf eure Spenden angewiesen. Diese erhalten wir allerdings nur, wenn ihr uns auch kennt und wisst, dass wir diese sinnvoll einsetzen. Um unserer Arbeit nachkommen zu können, benötigen wir außerdem auch Menschen, die sich bei uns engagieren wollen. Auch diese erfahren nicht selten über das Internet von uns. Mit Pressemitteilungen können wir zudem die Öffentlichkeit informieren, wenn z.B. bei einer Demonstration viele Menschen durch die Polizei verletzt wurden und so eine öffentliche Diskussion zu den Umständen einleiten. Dabei achten wir sehr darauf, dass unsere Veröffentlichungen niemanden gefährden.


Kann ich meine Spende an euch von der Steuer absetzen?

Unser Verein Sanitätsgruppe Süd-West e.V. wurde vom Finanzamt in Stuttgart als gemeinnützig anerkannt. Daher können wir Spendenbescheinigungen ausstellen und ihr könnt eure Spenden an uns von der Steuer absetzen. Wenn ihr uns eine Spende habt zukommen lassen, dann meldet euch mit eurem Namen, eurer Anschrift und den Buchungsdaten (Datum und Betrag der Überweisung) bei uns per Mail. Wir stellen die Spendenbescheinigungen in der Regel gesammelt nach Ende eines Jahres aus. Sollte eine Spendenbescheinigung schneller benötigt werden, so bitten wir um einen entsprechenden Hinweis. Mehr zur Thema Spenden findet ihr auf unserer Spendeninformationsseite.


Wieso kann ich euch nicht über PayPal spenden?

Eine Frage, die wir ab und zu gestellt bekommen ist, warum es nicht möglich ist uns über PayPal Geld zu spenden. Viele Menschen sehen den Service von PayPal als eine einfach und unkomplizierte Methode an, Geld zu transferieren. Das Geschäftsmodell von PayPal sieht allerdings vor, dass nur private Accounts kostenlos nutzbar sind. Im Gegensatz dazu müssen wir als Verein Gebühren für jede Spende bezahlen, die wir über PayPal erhalten. Leider gibt es auch für gemeinnützige Organisationen keine Möglichkeit Spenden über PayPal legal kostenlos zu beziehen. Da wir möchten, dass 100% eurer Spenden auf für den Zweck verwendet werden, für den sie da sind und Nichts zum Begleichen von Gebühren an einen Konzern fällt, haben wir uns entschlossen keine Spendenmöglichkeit über PayPal anzubieten. Auf unserer Spendenseite findet ihr mehr Informationen, wie ihr uns finanziell unterschützen könnt. Wir danken euch!