0170 / 831 831 5 kontakt@demosanitaeter.com

Pressemitteilungen

Pressemitteilung Nr. 28 – Demosanitäter*innen veröffentlichen Solidaritätserklärung

+++ Gemeinsame Solidaritätserklärung deutscher Demosanitäter*innen zu den Street Medics in Frankreich im Rahmen der Gelbwestenproteste veröffentlicht +++

Stuttgart, den 21.05.2019, Mehrere Gruppen und Organisationen der Demosanitäter*innen in Deutschland und Österreich haben am heutigen Dienstag eine gemeinsame Solidaritätserklärung mit den Street Medics in Frankreich abgegeben. Die Sanitätsgruppe Süd-West e.V. beteiligte sich an dem gemeinsamen Zeichen und stellt sich damit demonstrativ an die Seite ihrer KollegInnen im Nachbarland Frankreich, die seit Monaten im Dauereinsatz sind und zunehmend Angriffen der französischen Polizei ausgesetzt werden.

Insgesamt wurde die Erklärung von 9 Gruppen erstunterzeichnet. Weitere Gruppen auch außerhalb Deutschlands wurden dazu aufgefordert, sich der Erklärung anzuschließen. Peer Vlatten, Vereinsvorstand der Sanitätsgruppe Süd-West e.V. betont: “Unser Ziel ist es nicht, dass es bei 9 Gruppen bleibt! Sie sind lediglich der Stoß, der den Stein ins Rollen bringen soll. Wir wollen eine breite Öffentlichkeit schaffen. In Deutschland und darüber hinaus muss man sich endlich der Frage annehmen, ob es hinnehmbar ist, dass in unserem Nachbarland Angriffe auf Sanitätskräfte durch den Staatsapperat zum Alltag geworden sind. Wöchentlich werden viele Menschen in Frankreich schwer verletzt, weil sie ihr Recht auf Versammlungsfreiheit wahrnehmen oder blos zur falschen Zeit am falschen Ort sind! Diesen Menschen helfen die Street Medics unter widrigsten Umständen. Dafür haben sie unseren Respekt!”

Hier finden sie die Solidaritätserklärung in deutscher und französischer Sprache als PDF:
Deutsch (PDF), Französisch (PDF)

Hier finden sie die Veröffentlichungen der Solidaritätserklärung auf unserer Webseite:

Solidaritätserklärung der Demosanitäter✪innen

Déclaration de solidarité des street-médics allemands

Bei Rückfragen können uns Journalistinnen und Journalisten gerne unter presse@demosanitaeter.com oder 0170/8318315 kontaktieren.

(Bildquelle: https://www.facebook.com/johanpix/ – Bei Veröffentlichung Fotografen anfragen!)

Pressemitteilung Nr. 27 – Verletzte bei antifaschistischen Gegenprotesten in Pforzheim

+++ 19 Verletzte, Sanitäter Treppe runter gestoßen +++

Pforzheim, den 11. Mai 2019, Am heutigen Samstag trug ein breites Bündnis ihren Protest gegen den Aufmarsch der ultra rechten Partei “Die Rechte” auf die Straße. Dabei kam es in 2 Situationen zu Verletzten.

“Insgesamt mussten wir heute 19 Patient*innen behandeln. Davon erlitten 8 Demonstrant*innen chirurgische Verletzungen, meist durch Schlagstockeinsatz. 10 weitere Protestierende mussten wegen Pfefferspray behandelt werden. Eine weitere Person begab sich aufgrund einer internistischen Problematik in unsere Behandlung. 2 der verletzten Personen mussten mit dem Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht werden.”, fasst unser Einsatzleiter den heutigen Tag zusammen.

Während unsere Einsatzkräfte den Tag über ohne Behinderungen ihrer Arbeit nachkommen konnten, kam es zum Ende des Einsatzes doch noch zu einer unerfreulichen Situation. Polizeieinsatzkräfte stießen einen Sanitäter eine Treppe runter, der sich nur deshalb nicht verletzte, weil er von anderen Personen aufgefangen wurde. Außerdem wurde er mit einem Schlagstock geschlagen. Ein solches Vorgehen gegen Sanitäter im Hilfseinsatz ist völlig inakzeptabel und zu verurteilen.

Pressemitteilung Nr. 26 – Stuttgart: Verletzte bei Wohnraumdemonstration und Hausbesetzung

+++ 4000 DemonstrantInnen bei Wohnraum-Großdemonstration, 55 PatientInnen, massiver Pfeffersprayeinsatz, Hausbesetzung +++

Stuttgart den 6. April 2019, Heute sicherte eines unserer Teams die Wohnraum-Großdemonstration in Stuttgart ab. 4000 Menschen (Veranstalterangabe) beteiligten sich an der bunten und vielfältigen Demonstration, die vom Stuttgarter Schlossplatz zum Marienplatz führte. Während und nach der Demonstration kam es zu teils massivem Pfeffersprayeinsatz durch die Polizei, bei dem über 50 Personen verletzt wurden.

Peer Vlatten, Rettungsassistent und Einsatzleiter am heutigen Tag schätzt die Situation ein: “Die DemonstrantInnen wurden zum Teil aus nächster Nähe mit Pfefferspray besprüht. Wir zählten insgesamt 55 Behandlungen, davon 51 Verletzte durch Pfefferspray, 2 chirurgische Verletzungen und 2 internistische Versorgungen. Das Dunkelfeld könnte bei der unübersichtlichen Situation allerdings deutlich höher liegen.”

Im Anschluss fand trotz des Polizeieinsatzes in der Böblingerstraße erneut eine Hausbesetzung statt, die bis zur Stunde anhält.

Pressemitteilung Nr. 25 – Kandel: Demonstrant durch Polizeihund verletzt

+++ 6 Verletzte, 2 Krankenhausbehandlungen, Kampfhundeinsatz durch Polizei +++

Kandel, den 6. Oktober 2018, Unter dem Motto “Kein Platz für rechte Hetze” haben mehrere hundert DemonstrantInnen ihren Protest gegen einen rechten Aufmarsch des sogenannten “Frauenbündnisses Kandel” auf die Straße getragen. Die Sanitätsgruppe Süd-West e.V. sicherte die angemeldete Demonstration im Auftrag des Veranstalters sanitätsdienstlich ab.

Am Rande der Proteste kam es zu mehren Verletzten durch die Polizei. Ein am Einsatz beteiligter Rettungsassistent erinnert sich: “Als ich beim Verletzten ankam, wurde dieser mit auf den Rücken gefesselten Händen von mehreren Polizisten gegen ein Einsatzfahrzeug der Polizei gedrückt. Er wimmerte vor Schmerzen und flehte nach Hilfe. Trotzdem verging eine in dieser Situation mir unendlich lang vorkommende Zeit, bis der Patient endlich aus dieser schmerzhaften Position befreit wurde. Wie ich später genauer sehen konnte, hatte er am linken Oberarm und rechten Oberschenkel große Biss- und Krallenwunden, die wohl durch einen Kampfhund der Polizei zugefügt wurden.

Ein Krankenwagen des Deutschen Roten Kreuzes Kandel befand sich zum Zeitpunkt meines Eintreffens bereits vor Ort. Sofort wurde ich sowohl von den vor Ort befindlichen Polizisten, als auch vom Team des Krankenwagens massiv verbal angegangen. Dabei wurde nicht nur unser grundlegender Auftrag angezweifelt, die Versorgung von Verletzten DemonstrantInnen wurde auch als Spiel bezeichnet, dass man nicht mehr mit mache. Dabei verhielt sich die Besatzung des Krankenwagens in keiner Weise kollegial, sondern schien de Patienten eher als ihr Eigentum zu begreifen. Weiter wurde mir mit einer Anzeige wegen einer angeblichen Amtsanmaßung und mit einer Gewahrsamnahme gedroht, wenn ich die Örtlichkeit nicht verlasse. Währenddessen konnte ich sehen, wie sich der Patient im Krankenwagen weiter vor Schmerzen krümmte und seine Fesseln trotzdem nicht gelöst wurden. Ich wurde dann von der Polizei des Platzes verwiesen, obwohl ich mutmaßlich die höchst ausgebildete Sanitätskraft vor Ort war und der Patient ausdrücklich eine Behandlung durch mich wünschte.

Einige Minuten später wurde ich erneut zu dem durch Hundebisse verletzten Patienten gerufen. Dieser hatte sich selbst aus der Behandlung des Roten Kreuzes entlassen. Er erzählte mir, dass ihm jegliches Vertrauen in das Team des Krankenwagens gefehlt habe, nachdem sie sich über ihn und seine Verletzungen lustig gemacht hätten. Bei der darauffolgenden Behandlung des Patienten konnte ich grobe Behandlungsfehler des Krankenwagenteams feststellen. So war z.B. eine klaffende Bisswunde ohne Kompesse versorgt worden, sondern ausschließlich mit einer unsterilen Binde.

Es ist heftig so nah an einem Verletzten zu stehen und nicht helfen zu können, ja sogar von den eignen Kollegen angegangen zu werden. Ich möchte an der Stelle aber betonen, dass wir normalerweise sehr gut mit den Kollegen des Roten Kreuzes zusammenarbeiten. Um so überraschter bin ich von dieser Verhaltensweise!”

Insgesamt mussten die Einsatzkräfte der Sanitätsgruppe Süd-West e.V. 6 PatientInnen behandeln. Neben dem Patient mit Bisswunden handelte es sich um eine Kopfplatzwunde, zwei Verletzte durch Pfefferspray, sowie zwei weitere Bagatelltraumata. Grade die weiter oben geschilderte Behinderung durch die vor Ort befindlichen Polizeibeamten und die wortwörtliche Aberkennung unserer Rechte im Rahmen eines Sanitätsdienstes stellt einen groben Rechtsverstoß dar, wurden DemosanitäterInnen doch gerade erst in einem Präzedenzurteil weitreichende Recht durch das Landgericht Berlin eingeräumt.

Update:

Update zum Geschehen in Kandel

Klarstellung:

Kandel: Verhältnis zum Deutschen Roten Kreuz

Pressemitteilung Nr. 24 – Hohe Verletztenzahlen bei Protesten gegen “Tag der Deutschen Zukunft” in Karlsruhe

+++ über 100 Verletzte, 4x Rettungsdienst, Pfefferspray- & Schlagstockeinsatz +++

Karlsruhe, den 03. Juni 2017, Die Proteste gegen den größten Naziaufmarsch 2017 “Tag der Deutschen Zukunft” in Karlsruhe wurden von der Sanitätsgruppe Süd-West in Kooperation mit anderen Organisationen sanitätsdienstlich begleitet.

Lena Schmidt, Pressesprecherin der Sanitätsgruppe Süd-West fasst den Einsatz zusammen: “Im Laufe des Tages mussten ca. 100 Patienten versorgt werden. Eine genaue Zahl konnte aufgrund der unübersichtlichen Situationen nicht dokumentiert werden. Deshalb ist auch von einer besonders hohen Dunkelziffer auszugehen. Insgesamt mussten 4 Patienten an den Rettungsdienst übergeben werden, da eine Behandlung im Krankenhaus notwendig war. Ein Großteil der Verletzten geht auf den massiven Pfefferspray- und Schlagstockeinsatz der Polizei zurück.”

Aufschlüsselung der Versorgungen:
– 4x Kollaps
– 2x Nasenbluten nach Faustschlag
– 1x starke Atemnot nach Schlag auf die Brust
– 1x Schmerzen nach Rotationstrauma beider Beine
– 1x Schlag ins Genick
– 1x Schmerzen aufgrund Wurf auf PKW-Motorhaube durch Polizei
– Verletzungen durch Pfeffersprayeinsatz
– Verletzungen durch Schlagstockeinsatz