Unsere Grundsätze

Die Sanitätsgruppe Süd-West und alle in ihr tätigen Mitglieder sehen sich den folgenden sechs Grundsätzen verpflichtet, um den hohen Anforderungen ihrer sanitätsdienstlichen Arbeit gerecht zu werden:

Überparteilichkeit

Demosanitäter*in zu sein, bedeutet sich in einer eigenständigen und unabhängigen Organisation zu engagieren, die keiner Behörde oder Partei untersteht. Es bedeutet sich den Grund- und Menschenrechten verpflichtet zu fühlen und sich insbesondere für die Wahrung der verfassungsmäßig garantierten Versammlungs- und Meinungsfreiheit einzusetzen.

Uneigennützigkeit

Demosanitäter*in zu sein, bedeutet uneigennütziges Engagement ohne jegliches Gewinnstreben. Es bedeutet freiwillig und ehrenamtlich tätig zu sein und dabei keinerlei Aufwandsentschädigung oder Entlohnung zu erhalten.

Anonymität

Demosanitäter*in zu sein, bedeutet Patient*innen zu schützen und für ein universelles Recht auf medizinische Behandlung einzutreten. Es bedeutet Versammlungsteilnehmer*innen in einem vertrauensvollen Miteinander auf Augenhöhe zu begegnen und durch eine enge Beziehung sowohl den taktischen, als auch medizinischen Erfolg des Einsatzes zu sichern. Verschwiegenheit und der Schutz der Persönlichkeitsrechte aller Beteiligten ist dafür unabdingbar. Daher behandelt die Sanitätsgruppe Süd-West e.V. zum Schutz der Identitäten ihrer Patient*innen in der Regel anonym oder pseudonymisiert. Dokumente über personenbezogene oder -beziehbare Daten werden nur in dem Umfang erstellt in dem sie für die medizinische Versorgung zwingend erforderlich sind (z.B. anonymes Übergabeprotokoll an den Rettungsdienst). Statistik führen wir lediglich anonymisiert über die Häufigkeit grober medizinischer Kategorien (chirurgisch, internistisch, psychisch, Reizgase).

Menschlichkeit

Demosanitäter*in zu sein, bedeutet der klaren Überzeugung zu sein, dass alle Menschen unabhängig von ihrer Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung, wirtschaftlichen Verhältnissen oder anderen individuellen Unterschieden den gleichen unantastbar hohen Wert besitzen. Es bedeutet Diskriminierung in jeglicher Form abzulehnen und allen Hilfsbedürftigen unterschiedslos beizustehen um ihr Leid zu mindern und ihrer Würde Anerkennung zu verleihen.

Qualität

Demosanitäter*in zu sein, bedeutet unter schwierigen Bedingungen und mit wenigen Ressourcen professionelle medizinische Hilfe zu leisten. Dabei ist es der Sanitätsgruppe Süd-West e.V. ein Anliegen, durch Fachkompetenz auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft und daran ausgerichtete, hochwertige Ausrüstung eine möglichst qualitative medizinische Versorgung sicher zu stellen. Ob konservativ, naturheilkundlich, ganzheitlich oder traditionell, für sie gibt es nur eine Methode Medizin zu betreiben: Evidenzbasiert und so professionell wie möglich.

Solidarität

Demosanitäter*in zu sein, bedeutet als professionelle Struktur mit spezieller Aufgabe Teil eines solidarischen Miteinanders zu sein und durch eigenes Engagement die Arbeit anderer zu unterstützen. Dabei sieht die Sanitätsgruppe Süd-West e.V. die Solidarität als Grundprinzip jeglichen erfolgreichen und gesicherten Zusammenlebens, ohne Benachteiligung Einzelner oder bestimmter Bevölkerungsgruppen, durch Zusammenhalt und gegenseitige Hilfsbereitschaft, an. Gemeinsam sind wir alle stärker!


Unser Selbstverständnis

Proteste gegen Nazi-Aufmarsch Mainz 2022

(Bildquelle: Fabian Janssen)

Wir begreifen Sanitätsdienste auf Demonstrationen als essentielle Grundlage für die Sicherheit der Teilnehmer*innen und damit als Grundvoraussetzung für die Wahrung der Versammlungsfreiheit. Dabei gilt die Devise: Aus der Bewegung für die Bewegung! Das notwendige Verständnis für die Belange der Demonstrant*innen und ein grundlegendes Vertrauensverhältnis bedarf der Einbindung der Demosanitäter*innen in ein gemeinschaftliches Miteinander mit den Demonstrierenden. Demosanitätsdienste sind für uns keine Dienstleistung von Außen, sondern unser Beitrag zu einer demokratischen Protestkultur. Als Sanitäter*innen ist es jedoch nicht unsere Aufgabe selbst unsere Ansichten kund zu tun. Wir sehen uns daher nicht als Teilnehmer*innen einer Demonstration, sondern als solidarische Begleitung. Wir sind dafür da, dass ihr möglichst sicher demonstrieren könnt!


Unsere Vision

Wir glauben nicht, dass man zum Arzt gehen sollte, wenn man Visionen hat. Im Gegenteil halten wir Visionen für einen unschätzbaren Antrieb. Langfristige Ziele – und sollten sie auch noch so unerreichbar scheinen – sorgen dafür, dem Optimum möglichst nahe zu kommen. Unsere Vision ist eine flächendeckende, professionelle und solidarische Sanitätsstruktur für politische Versammlungen und nicht kommerzielle Kulturveranstaltungen in Deutschland. Daran wollen wir zusammen mit den anderen Demonsanitätsgruppen arbeiten, um euch die bestmögliche Versorgung zukommen zu lassen. Der seit Jahrzehnten andauernde Zustand wechselnder kleiner lokaler Demosanitätsgruppen sorgt für große Versorgungslücken im gesamten Bundesgebiet und macht ständig wiederkehrende und kräftezehrende Aufbauarbeit notwendig, bei der sich nur wenige lokale Gruppen dauerhaft halten können. Wir wollen den Teufelskreislauf durchbrechen, in dem immer wieder motivierte Menschen viel Zeit und Kraft investieren um bei sich lokal notwendige medizinische Strukturen zu schaffen und dann nach einiger Zeit frustriert aufgeben. Wir glauben, dass mit der Zeit durch eine zunehmend engere Zusammenarbeit der bestehenden Demosanitätsgruppen auch neue Strukturen an anderen Orten zunächst mit Erfahrung und Wissen, irgendwann hoffentlich auch materiell unterstützt werden können. Dabei können auch gemeinsame Sicherheits- und Qualitätsstandards etabliert und so die Versorgung der Demonstrationsteilnehmer*innen flächendeckend verbessert werden. Uns ist bewusst, dass dieser Weg vieler weiterer Kraftanstrengungen und viel Zeit benötigen wird. Wir laden allerdings alle anderen Demosanitätsgruppen dazu ein, diesen Weg mit uns zu beschreiten.