Critical Pride Stuttgart 2026

Am vergangenen Sonntag waren wir als Sanitätsdienst bei der Critical Pride in Stuttgart vor Ort. Die Critical Pride möchte als Alternative zum Christopher Street Day in Stuttgart ihren Fokus stärker auf die politischen Inhalte legen, die transportiert werden sollen. Rund 600 Personen beteiligten sich trotz des heißen Sommerwetters an der Demonstration. Die Veranstalter*innen hatten, wie bei anderen CSDs dieses Jahr, viel Wert auf den Hitzeschutz gelegt und z.B. im Vorfeld präventive Hinweise, u.a. mit einer Karte mit Trinkbrunnen, veröffentlicht. Wir hatten 3 Behandlungen.

(Bildquelle Bild 4 & 5: Julius Hannes Rexer)


Christopher Street Day Tübingen

Am vergangenen Sonntag sicherten wir den Christopher Street Day in Tübingen ab, an dem sich trotz des heißen Sommerwetters über 3000 Personen beteiligten. Die bunte Demonstration zog nach der Auftaktkundgebung auf dem Marktplatz zunächst im Kreis durch die Innenstadt bis zum Lustnauer Tor, wo eine Zwischenkundgebung stattfand. Im Anschluss ging es weiter zum Europaplatz, auf dem die Abschlusskundgebung mit Musik und Infoständen stattfand. Wir hatten 12 Behandlungen, überwiegend aufgrund der Hitze.


Wieder ein arbeitsreiches Wochenende

Dieses Wochenende hatten wir gleich 3 Einsätze:

In Pforzheim sicherten wir am Samstag zusammen mit dem Deutschen Roten Kreuz den Christopher Street Day (CSD) ab. Mit einer vierstelligen Zahl Teilnehmer*innen zog der bunte Demonstrationszug mit ausgelassener Stimmung vom Marktplatz im Kreis durch die Innenstadt und endete wieder auf dem Marktplatz, wo im Anschluss noch ein Fest mit verschiedenen Kulturbeiträgen und Info-Ständen stattfand. Dabei wurde ein starkes Zeichen für eine vielfältige und tolerante Stadt gesetzt. Dies konnte auch eine Hand voll christlicher Fundamentalist*innen und ca. 30 bis 40 Rechtsextremist*innen nicht verhindern, die Versammlungen gegen den CSD angemeldet hatten und teilweise am Rand versuchten zu provozieren. Wir bedanken uns beim Deutschen Roten Kreuz für die gute Zusammenarbeit. (Bilder 1 und 2)

Außerdem sicherten wir am Samstag das Kulturdose Sommerfest in Karlsruhe medizinisch ab. Bei einem Info-Stand kamen wir mit vielen Menschen ins Gespräch und konnten unsere ehrenamtliche Arbeit vorstellen. (Bilder 3 und 4)

Am Sonntag folgten die Proteste gegen die Gründung der neuen AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ in Baden-Württemberg. Eine dreistellige Zahl protestierte in Sicht und Hörweite gegen die Entstehung einer Nachfolgeorganisation der ehemaligen „Jungen Alternativen“. (Bilder 5 und 6)


CSD Schwäbisch Hall

Wie bereits im letzten Jahr sicherten wir gestern den Christopher Street Day in Schwäbisch Hall notfallmedizinisch ab. Rund 400 Teilnehmer*innen liefen in einem bunten Zug  durch die Innenstadt von Schwäbisch Hall. Im Anschluss an die Demonstration gab es ein Sommerfest mit leckerem veganen Döner.


Critical Pride 2025

Während am gestrigen Samstag in Budapest rund 180.000 Menschen trotz Verbots durch die ultrarechte ungarische Regierung an einer Pride teilnahmen, beteiligten sich in Stuttgart 700 bis 800 Personen an der Critical Pride, einem alternativen Christopher Street Day, der den Fokus stärker auf eine politische Demonstration statt einer Parade mit Party legt. Mehr zu den Hintergründen der Christopher Street Days und Prides findet ihr in unserem Post vom 8. Juni zum CSD Tübingen.

Bei kuscheligen 34°C zog die Demonstration vom kleinen Schlossplatz im Kreis durch die Innenstadt Stuttgarts und kehrte nach einer Zwischenkundgebung am Rotebühlplatz zum kleinen Schlossplatz zurück. Im Anschluss fand noch ein Hoffest im Primsa Bad-Cannstatt statt, das zuletzt mehrfach Ziel queerfeindlicher Angriffe war.

Wir sicherten die Demonstration und das Fest sanitätsdienstlich ab. Dabei hätten wir insgesamt 10 Behandlungen, von denen eine  zur Weiterbehandlung an ein Krankenhaus verwiesen wurde.


Pressemitteilung Nr. 35: Pforzheim bleibt bunt / Polizei behindert mehrfach Sanitätsdienst

+++ mindestens 14 Patient*innen, 2x Rettungsdienst, Polizei behindert mehrfach medizinische Versorgung, rund 1200 Teilnehmer*innen auf dem CSD +++

Pforzheim, den 14 Juni 2025, überall in Deutschland mobilisiert in diesen Tagen eine erstarkende Neonazi-Szene gegen Christopher-Street-Days (CSDs), so auch an diesem Samstag in Pforzheim. Rund 70 Personen aus dem rechtsextremen Spektrum folgten dem Aufruf des sogenannten „Störtrupps“. Mit 1200 Personen übersteigt die Teilnehmendenzahl des CSDs diese rechten Proteste bei weitem. Außerdem hatten verschiedene antifaschistische Bündnisse zu einem direkten Protest gegen die rechte Demonstration aufgerufen. Hier beteiligten sich rund 300 Personen. Dabei setzte die Polizei die Demonstration der Rechten trotz eines Blockadeversuchs durch. Es kam mehrfach zu kleineren Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Demonstrierenden, sowie zu einer Einkesselungssituation.

Als Sanitätsgruppe Süd-West e.V. waren wir als ehrenamtlicher Sanitätsdienst der antifaschistischen Proteste vor Ort und unterstützten die Kolleg*innen des DRK Pforzheim bei der sanitätsdienstlichen Absicherung des Christopher Street Days. Dabei versorgten wir insgesamt 13 Patient*innen (9x chirurgische und 4x internistisch; Versorgungszahlen des DRK Pforzheim nicht mit eingerechnet, Patient*in aus 1. Situation unten nicht mit eingerechnet). Dabei kam es zwei Mal zu einer massiven Behinderung der medizinischen Behandlung durch die Polizei:

  • In der ersten Situation ließ die Polizei unser vor Ort befindliches Sanitätsteam nicht zu der*m Patient*in durch. Stattdessen wurde unserem Team unterstellt, dass wir keine „richtigen Sanitäter*innen“ wären. Im weiteren Verlauf wurden die Anfragen unseres Teams durchgelassen zu werden von der Polizei einfach ignoriert. Die Patient*innenversorgung musste schließlich vom DRK Pforzheim übernommen werden. Die medizinische Behandlung vor Ort wird grundsätzlich durch die höchstausgebildeste medizinische Einsatzkraft geleitet. Diese Funktion hatte in diesem Falle der*die in unserem Team befindeliche Notfallsanitäter*in (3-jährige Berufsausbildung), der*die nicht zur Patientin durchgelassen wurde, inne. Durch dieses Vorgehen der Polizei wurde eine unnötige Gefährdung der zu behandelnden Person erzeugt.
  • In einer zweiten Situation wurde unser Team bei einer Patient*innenbehandlung stark behindert. Trotz mehrfacher Aufforderung ließ die Polizei keinen Platz für eine adäquate Behandlung und stand eng um den*die Patient*in herum. Mehrfach schubste die Polizei ohne ersichtlichen Grund in der Nähe stehende Personen herum und gefährdete unser Team und die Patient*in dadurch zusätzlich. Im Verlauf wurde dann ohne Rücksicht auf die immer noch stattfindende medizinische Versorgung durch die Polizei mit einer Erkennungsdienstlichen Behandlung (ED-Behandlung) begonnen.

Beide Patient*innen wurden zur weiteren Versorgung mit dem öffentlichen Rettungsdienst in ein Krankenhaus gebracht.

Wir kritisieren scharf das Verhalten der Polizei in diesen Situationen, welche vorsätzlich die notfallmedizinische Behandlung behinderte. Bedanken möchten wir uns hingengen beim DRK und dem ASB aus Pforzheim für die gute und kollegiale Zusammenarbeit.

(Die Personenzahlen der Veranstaltungen beruhen auf Schätzung unserer Einsatzkräfte vor Ort und können von den Angaben der Polizei und Veranstalter*innen abweichen.)


CSD Tübingen

Am gestrigen Samstag sicherten wir den Christopher Street Day (CSD) in Tübingen sanitätsdienstlich ab. Der Name dieses Protesttags für queere Rechte geht auf einen Aufstand queerer Menschen am 28. Juni 1969 in der New Yorker Christopher Street zurück. Hintergrund waren wiederkehrende, gewalttätige Razzien der Polizei in Kneipen mit vielen trans- und homosexuellen Kund*innen, so auch an diesem Tag im Stonewall Inn, das dem Aufstand den Namen Stonewall-Aufstand gab. Es kam zu tagelangen Straßenschlachten. Im Jahr nach dem Aufstand fand eine Demonstration in Gedenken an den Aufstand statt. In den Folgejahre entstand daraus die internationale Tradition im Frühsommer für die Rechte von LSBTTIQA+ Personen auf die Straße zu gehen.

Der CSD in Tübingen startete in diesem Jahr vom Marktplatz vor dem Rathaus. Nach einer kurzen Auftaktkundgebung, bei der auch ein frisch vermähltes Ehepaar auf dem Balkon des Rathauses spontan mit großem Applaus begrüßt wurde, setzte sich der Demonstrationszug mit rund 2300 Personen in Bewegung. Die Pride lief bei wechselhaftem Wetter in einem Bogen durch die Innenstadt und machte an der Kreuzung Wilhelmsstraße/Am Stadtgraben eine Zwischenkundgebung. Nach der anschließenden Überquerung der Eberhardsbrücke bog der CSD in die Uhlandstraße ein und endete am RACT Festival, das am Kastanienrondell stattfand.

Wir begleiteten die bunte Demonstration mit 8 Sanitätskräften und hatten 4 Behandlungen. Das RACT Festival wurde vom DRK Tübingen sanitätsdienstlich abgesichert.


Heraus zum 8. März – Einsätze in 3 Städten

Seit 1921 setzen Frauen auf der ganzen Welt am 8. März ein Zeichen für Gleichberechtig und gegen patriarchale Diskiminierung. Der internationale Frauenkampftag geht zurück auf einen Vorschlag Clara Zetkins auf der internationalen Konferenz sozialistischer Frauen 1910. Sie griff damit eine Idee aus dem USA auf, wo bereits im Jahr zuvor ein Kampftag für Frauenstimmrecht stattgefunden hatte. In den Folgejahren wechselte mehrmals das Datum, bevor man sich auf einer internationalen Konferenz kommunistischer Frauen 1921 auf den 8. März einigte, dem Tag an dem ein Streik von Textilarbeiterinnen 1857 in New York überliefert, aber nicht eindeutig belegt ist. Vor allem waren am 8. März 1917 (23. Februar nach julianimschem Kalender) jedoch die Frauen in Petrograd auf die Straße gegangen und hatte so die Februarrevolution in Russland ausgelöst. Seit den Anfängen des 8. März wurde viel erkämpft: das Frauenwahlrecht, Arbeitsrecht ohne Zustimmung des Ehemanns, Strafbarkeit von Vergewaltigung in der Ehe und vieles mehr. Und doch bleiben viele Themen, die dem Tag auch heute noch seine Berechtigung geben: zum Beispiel die Genderpaygap, Care-Arbeit, Gewalt an Frauen, die Illegalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen, die Doppeldiskriminierung queerer Personen und BIPOCs, sowie nicht zuletzt eine erstarkende Rechte, die viele Errungenschaften wieder rückgängig machen will. Und so gingen auch heute wieder in ganz Deutschland und weltweit Frauen, FLINTA und Queere gemeinsam mit solidarischen Männern auf die Straße um diesen Themen Gehör zu verschaffen.

Als Sanitätsgruppe Süd-West e.V. begleiteten wir die Demonstrationen zum 8. März in Stuttgart, Karlsruhe und Tübingen. In Stuttgart beteiligten sich rund 5000 Teilnehmer*innen an der Demonstration. Es kam zu kleineren Auseinandersetzungen mit der Polizei und einzelnen Festnahmen. Eine Person musste in Stuttgart durch uns behandelt und an den öffentlichen Rettungsdienst übergeben werden. Im Karlsruhe und Tübingen beteiligten sich jeweils ca. 1700 Personen an den Demonstrationen. Wir hatten eine Behandlung in Tübingen. Im Karlsruhe mussten wir niemanden versorgen. Wir wünschen allen Patient*innen eine gute Genesung und bedanken uns beim DRK-Rettungsdienst für die gute Zusammenarbeit.

(Quelle Titelbild und Bild 1, 3, 4 aus Tübingen: Luca Engelhard)

Bilder aus Stuttgart:

Bilder aus Karlsruhe:

Bilder aus Tübingen:

In eigener Sache: