Vereinsfeier und 2 Einsätze

Gestern war bei uns mal wieder volles Programm. Neben der jährlichen Vereinsfeier in unseren Räumlichkeiten sicherten wir auch noch zwei Versammlungen ab. Zum einen begleiteten wir die Proteste gegen die rechte Mobilisierung „Baden-Württemberg steht auf“ in Pforzheim. Zum anderen sicherten wir die Demonstration gegen den Angriff der islamistischen HTS, die sich als Übergangsregierung Syriens bezeichnet, auf Rojava ab. Bei beiden Einsätzen hatten wir keine Versorgungen.


Demonstration gegen Angriffe auf Rojava

Am heutigen Samstag fand der 1. Einsatz im Jahr 2026 statt. Rund 1500 Personen beteiligten sich an einer Demonstration gegen die Angriffe auf Rojava in Stuttgart. Seit Dienstag greifen Truppen der islamistischen Übergangsregierung Syriens (ehemals HTS) zusammen mit von der Türkei unterstützen Gruppen die vorwiegend kurdisch bewohnten Stadtteilen in Aleppo an. Die Asayîs (Innere Sicherheitskräfte Rojavas) versuchen seither die Zivilbevölkerung dort zu schützen. Dabei gibt es Berichte über schwere Menschenrechtsverletzungen. So sollen die Truppen der Übergangsregierung Zivilist*innen als menschliche Schutzschilde eingesetzt haben. Die Union der Gemeinschaften Kurdistans (KCK) wirft der Übergangsregierung in Damaskus und der Türkei vor in genozidaler Absicht gegen die kurdische Zivilbevölkerung vorzugehen. Wir begleiteten die Demonstration gegen diese Geschehnisse sanitätsdienstlich. Es gab keine Behandlungen.


Polizei behindert Sanitätsdienst an Silvester: Platzverweis und Androhung von Festnahme

Auch im Dezember waren wir wieder fleißig für euch im Einsatz. Nach Der Kundgebung gegen das Fußballspiel Tel-Aviv gegen VfB Stuttgart am 10.12.2025 folgten am 13.12.2025 gleich zwei Demonstrationen. Zunächst sicherten wir die Demonstration gegen die Einführung der Überwachungssoftware Palantir des ultrarechten amerikanischen Milliardärs Peter Thiel ab. Danach ging es am selben Tag nach Ludwigsburg zur „No Justice, No Peace“ Demonstration, die sich u.a. gegen die Kürzungen in der mobilen Jugendarbeit richtete.

Der Abschluss des Jahres war wie immer der Knastspaziergang an Silvester, der in diesem Jahr unter dem Motto „Stadt der Klassenjustiz, Kampf der Klassenjustiz – Silvester zu den Knästen“ in Karlsruhe stattfand. In einer Karlsruher Außenstelle ist ein Mitglied der sogenannten „Ulm 5“ inhaftiert, um die propalästinensischen Aktivist*innen, denen eine Aktion im September 2025 gegen den israelische Rüstungskonzern Elbit Systems in Ulm vorgeworfen wird, von einander zu trennen. Unterstützer*innen erheben schwere Vorwürfe wegen den Haftbedingungen. Konkret wird unter anderem die Isolationshaft kritisiert, die über das normale Maß der Untersuchungshaft hinausgeht, sowie eine mangelhafte medizinische Betreuung, unzureichende Versorgung mit Nahrungsmitteln, Verweigerung des Kontakts zu Anwält*innen und weitere erniedrigende Praktiken und Misshandlungen, wie der Zwang über Stunden in Unterhose ohne BH eingesperrt zu sein.

Die Demonstration startete um 17:00 Uhr auf dem Europaplatz mit einer Auftaktkundgebung. Danach lief sie über das Rathaus West zur Justizvollzugsanstalt, wo die Gefangenen mit Pyrotechnik gegrüßt wurden. Die Polizei löste daraufhin die Versammlung auf und forderte die Teilnehmer*innen auf, sich in Kleingruppen zu entfernen. Der Aufforderung kamen die Versammlungsteilnehmer*innen nach. Ein Teil der Aktivist*innen fand sich einige hundert Meter weiter zusammen, um gemeinsam zur Bahn zu laufen. Daraufhin kam es zu Festnahmen durch die Polizei, die die Aktivist*innen auch bis zur Bahn verfolgte. An der Bahnhaltestelle kam ein Polizist auf unsere Sanitätskräfte zu und führte eine Identitätsfeststellung durch. Auf Nachfrage, warum er die Personenkontrolle durchführt, wurde zunächst lediglich auf eine anlasslose Kontrolle verwiesen und dann gesagt „Nicht diskutieren, sonst geht’s für Sie direkt in die Zelle.“ Nach Rückgabe der Personalausweise wurde dann behauptet, dass unsere Sanitätskräfte Teil der Versammlung gewesen seien und ein Platzverweis bis zum Morgen für die Karlsruher Innenstadt ausgesprochen. Auf den rechtlichen Hinweis, dass unsere Sanitäter*innen keine Versammlungsteilnehmer*innen sind, wurde direkt erneut mit „einer Nacht im Gewahrsam“ gedroht.

Wir kritisieren dieses Vorgehen gegen unsere Sanitätskräfte scharf. Als von den Veranstalter*innen beauftragter Sanitätsdienst sind wir rechtlich kein Teil der Versammlung, sondern haben die Funktion die Veranstaltung medizinisch zu betreuen und so zur Sicherheit für alle vor Ort beizutragen. Rechtlich ist nicht jede Person im Umfeld einer Versammlung automatisch Versammlungsteilnehmer*in. Nur wer erkennbar an der Meinungsäußerung während der Versammlung, z.B. durch Skandieren, Nutzung von Versammlungsmittel oder Mitlaufen im Block, teilnimmt, ist auch Teil der Versammlung. So sind auch Journalist*innen und Polizeikräfte, aber auch Passant*innen, die zufällig vorbei kommen, nicht Versammlungsteilnehmer*innen. Unsere Sanitätskräfte laufen außerhalb der Versammlung, nutzen keine Versammlungsmittel und sich durch rettungsdiensttypische Einsatzkleidung klar in ihrer Funktion erkenntlich. Willkürliche Platzverweise und Androhungen von Ingewahrsamnahmen dieser Art sind klar rechtswidrig und behindern unsere Sanitätskräfte bei ihrer Arbeit. Wir fordern die Polizei Karlsruhe auf solche Maßnahmen künftig zu unterlassen und die rechtlichen Rahmenbedingungen ihrer Arbeit einzuhalten.


Kundgebung gegen Fußballspiel VfB Stuttgart gegen M. Tel-Aviv

Heute sicherten wir die Kundgebung gegen das morgige Fußballspiel des VfB Stuttgart gegen Maccabi Tel-Aviv ab. Rund 100 Personen beteiligten sich angesichts der anhaltenden Menschenrechtsverletzungen Israels gegen Palästinenser*innen an der Versammlung. Wir hatten keine Behandlungen.


Demonstration zum Tag gegen Gewalt an Frauen

Am gestrigen Dienstag nahmen laut Veranstalter*innen trotz kaltem und regnerischem Wetter rund 1200 Personen an der Demonstration zum Tag gegen Gewalt an Frauen in Stuttgart teil. Um 17:30 Uhr begann die Demonstration mit einer Kundgebung auf dem Wilhelmsplatz in der Innenstadt. Nach mehreren Redebeiträgen zog die Demonstration über die Eberhardstraße am Marktplatz vorbei zum Schlossplatz, wo sie mit einer Endkundgebung abschloss.

Wir begeleiteten die Demonstration mit einem Sanitätsteam. Mussten aber keine Patient*innen versorgen.

Nach Beendigung der Demonstration erhielten wir einen Alarm der Region der Lebensretter. Dabei handelt es sich um eine App für medizinisches Fachpersonal, die einen alarmiert wenn in der Nähe eine Person bei der Leitstelle als bewusstlos oder mit Herzkreislaufstillstand gemeldet wird. Dadurch soll die Zeit bis zum Beginn von Reanimationsmaßnahmen verkürzt und so das Outcome der Patient*innen verbesser werden. Wir trafen aber in diesem Fall keine hilfsbedürftige Person mehr am Notfallort an und konnten auch dem Rettungsdienst Entwarnung geben.


Mad Pride Day Stuttgart

Am gestrigen Samstag sicherten wir den ersten Mad Pride Day in Stuttgart als Sanitätsdienst und mit Psychosozialer Notfallversorgung (PSNV) ab. An der Demonstration für die Akzeptanz und Inklusion von Menschen mit psychischen Erkrankungen beteiligte sich eine niedrige dreistellige Anzahl Personen. Im Anschluss ging es im CVJM Haus u.a. mit einer Podiumsdiskussion und anschließender Live-Musik weiter.


44. Umsonst & Draußen Festival Stuttgart

Am vergangenen Wochenende fand das Umsonst & Draußen Festival zum 44. Mal in Stuttgart statt. Zum dritten Mal war der Veranstaltungsort der Festplatz an der Krehlstraße in Stuttgart-Vaihingen.

Als Demosanitäter*innen sind wir inzwischen zu einem festen Teil des nicht-kommerziellen Festivals geworden, das von einem offenen Plenum organisiert wird. Seit Jahrzehnten sind wir als Sanitätsdienst vor Ort, wenn das Umsonst & Draußen vielen Besucher*innen ein tolles Wochenende mit einem abwechslungsreichen Musikprogramm, politischen Workshops, Spiel und Spaß für die Kinder und natürlich reichlich zu Essen und Trinken bietet. Dabei ist das U&D längst zu einem Vereinstreffen geworden, bei dem viele unserer Mitglieder zusammenkommen. Nicht Wenige freuen sich deshalb schon jetzt auf das 45. Umsonst & Draußen in einem Jahr. Mit insgesamt 90 Hilfeleistungen war trotz hoher Besucher*innenzahlen ein leichter Rückgang der medizinischen Behandlungen gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen (101 Hilfeleistungen 2024).

Neben der medizinischen Versorgung der Helfer*innen und Besucher*innen nutzten wir die Zeit jedoch auch für Fortbildungen zu verschiedenen Themen (z.B. Verbandlehre, Psychosoziale Notfallversorgung, Atemwegsmanagement mit iGel, Thermische Schäden, Patient*innenübergabe, Schmerztherapie) und wendeten unser wissen in einer Übung praktisch an.

Ein besonderes High-Light war für uns jedoch der Freitag, an dem wir gemeinsam mit Orangensaft und alkoholfreiem Sekt auf 8 Jahre Vereinsgründung angestoßen haben. Seit Februar 1997 engagiert sich unsere Sanitätsgruppe im Demosanitätsdienst und ist damit die älteste noch aktive Demosanitätsgruppe in Deutschland. Erst 20 Jahre später am Freitag des Umsonst & Draußen Festivals 2017 gründeten wir aber einen gemeinnützigen Verein, in den die bisherige GbR überführt wurde.


Demonstration gegen Polizeigewalt

Nach den kürzlichen Tötungen zweier Personen durch Polizeibeamt*innen in Göppingen und Stuttgart demonstrierten am vergangenen Freitag rund 200 Personen gegen Polizeigewalt in Stuttgart. Nach einer Auftaktkundgebung mit mehren Reden der organisierenden Gruppen zog die Demonstration durch die Stuttgarter Innenstadt und endete wieder mit einer Abschlusskundgebung mit weiteren Reden auf dem Schlossplatz.

Wir sicherten die Demonstration sanitätsdienstlich ab und hatten keine Patient*innen.


Critical Pride 2025

Während am gestrigen Samstag in Budapest rund 180.000 Menschen trotz Verbots durch die ultrarechte ungarische Regierung an einer Pride teilnahmen, beteiligten sich in Stuttgart 700 bis 800 Personen an der Critical Pride, einem alternativen Christopher Street Day, der den Fokus stärker auf eine politische Demonstration statt einer Parade mit Party legt. Mehr zu den Hintergründen der Christopher Street Days und Prides findet ihr in unserem Post vom 8. Juni zum CSD Tübingen.

Bei kuscheligen 34°C zog die Demonstration vom kleinen Schlossplatz im Kreis durch die Innenstadt Stuttgarts und kehrte nach einer Zwischenkundgebung am Rotebühlplatz zum kleinen Schlossplatz zurück. Im Anschluss fand noch ein Hoffest im Primsa Bad-Cannstatt statt, das zuletzt mehrfach Ziel queerfeindlicher Angriffe war.

Wir sicherten die Demonstration und das Fest sanitätsdienstlich ab. Dabei hätten wir insgesamt 10 Behandlungen, von denen eine  zur Weiterbehandlung an ein Krankenhaus verwiesen wurde.


2 Einsätze am Wochenende

An diesem Wochenende waren wir wieder für euch im Einsatz. Zunächst sicherten wir am Samstag, den 10. Mai das Festival for Future in Wiesloch mit rund 300 Teilnehmer*innen ab.

Danach folgte am Sonntag den 11. Mai die Demonstration für ein AfD-Verbotsverfahren in Stuttgart, zu der u.a. die Partei-Jugendorganisationen von Linke, Grünen und SPD aufgerufen hatten. An der Demonstration vom Börsenplatz zum Markplatz beteiligten sich ca. 200 Personen. Am Kronprinzplatz fand eine Zwischenkundgebung statt, zu der sich auch einige Passant*innen dazu gesellten.