Pressemitteilung Nr. 37: Rheinmetall Entwaffnen – Behandlung durch Sanitätsdienst verweigert

Köln, den 03.09.2026. Die Sanitätsgruppe Süd-West ist der offizielle Sanitätsdienst des „Rheinmetall Entwaffnen“ Camps sowie der davon ausgehenden Protestaktionen in Köln und Umgebung. Unterstützt wird die Gruppe durch weitere Demosanitätsgruppen aus Köln und Hamburg. Zwei Teams begleiteten eine Gruppe von ca. 200 Demonstrierenden, die sich zu einer Blockadeaktion vor der Kaserne in Köln-Longerich gesammelt haben. Die Blockade wollte dabei ihre Ablehnung einer Wehrpflicht zum Ausdruck bringen und das an einem der Orte, von denen die ersten Musterungsbriefe vor Kurzem verschickt wurden und weiterhin werden.

Nach ca. 1,5 Stunden erklärte die Polizei die Versammlung für aufgelöst und begann die weiterhin bestehende Blockade zu räumen. Die geräumten Menschen wurden erkennungsdienstlich behandelt. In Sichtweite unserer Teams wurde dabei seitens der Polizeikräfte vor Ort mehrfach auf die an der Blockade teilnehmenden Menschen eingeschlagen mit dem Ziel, diese aus der Blockade zu entfernen. Mehrere Menschen wurden dabei verletzt, in sechs Fällen war eine anschließende Krankenhausbehandlung nötig.

In zwei Fällen ließen die Einsatzkräfte der Polizei die anwesenden Sanitäter*innen nicht zu der verletzten Person durch.

In einem Fall wurde lautstark von den Teilnehmenden der Blockade nach Sanitäter*innen gerufen. Wir versuchten, zu der verletzten Person zu gelangen, wurden dabei jedoch von der Polizei aufgehalten. Auch der mehrfache Hinweis, dass es sich durch das Verhindern der Behandlung um eine unterlassene Hilfeleistung handle, führte nicht dazu, dass eine Behandlung ermöglicht wurde. Es wurde angegeben, selbst nach der Person, die nach Hilfe ersuchte, zu schauen. Mehrfache Nachfragen nach der Qualifikation der von der Polizei gestellten Kräfte zur Beurteilung der verletzten Person wurde nach mehrfachem Ignorieren final damit beantwortet, dass man Rettungssanitäter*innen vor Ort hätte, aber keine Notfallsanitäter*innen. Bei Bedarf würde man die 112 wählen. Wir waren als Demosanitäter*innen mit vier Notfallsanitäter*innen vor Ort und mit einem Team in direkter Sichtweite der verletzten Person, sodass in diesem Fall wir als höher qualifiziertes Personal ein Recht gehabt hätten, die Person medizinisch zu versorgen. Kurze Zeit nach den Rufen nach Sanitäter*innen wurde durch die Sanitätskräfte beobachtet, wie eine Person durch Polizeibeamte aus der Blockade gebracht wurde. Diese war sichtlich verletzt. Es ist unklar, ob es sich hierbei um die Person handelte, wegen der um Hilfe gerufen wurde. Trotz offensichtlich schmerzverzerrtem Gesicht und deutlich sichtbarem Humpeln wurde eine Behandlung durch die Kräfte der Sanitätsgruppen weiterhin verweigert.

Eine weitere Person wurde im Verlauf der Blockade von Polizeikräften aus der Gruppe der Aktivist*innen herausgezogen. Unsere Einsatzkräfte konnten dies beobachten und schilderten, dass die Person am Hals gegriffen wurde. Einer unserer Kräfte wurde zugetragen, dass die Person wohl schon mehrfach Schläge auf den Kopf bekommen hätte. Beim Abführen lief die Person ein paar Schritte und sackte dann in sich zusammen. Auch hier kommunizierten unsere Sanitäter*innen wieder vor Ort mit der Polizei, dass hier eine fachliche Einschätzung durch eines unserer Teams zwingend erforderlich wäre. Dies wurde abgelehnt mit der Begründung, die Person könne ja sprechen.

Wir verurteilen, dass unsere Einsatzkräfte in mehreren Fällen nicht zu Patient*innen durchgelassen wurden.


Proteste gegen Naziaufmärsche in Baden-Württemberg

Am gestrigen Samstag hatten verschiedene Neonazigruppen zusammen mit dem rechten Rand des Querdenkenspektrums unter dem Motto „Gemeinsam für Deutschland“ gleich in drei Städten in Baden-Württemberg zu Demonstrationen aufgerufen. Auch in anderen Bundesländern kam es zu ähnlichen Versammlungen. Wir sicherten als Sanitätsgruppe Süd-West e.V. die antifaschistischen Gegenproteste in Balingen, Karlsruhe und Reutlingen sanitätsdienstlich ab.

Balingen:

In Balingen beteiligten sich zunächst ca. 350 Personen an der antifaschistischen Kundgebung auf dem Viehmarkt, bevor eine dreistellige Personenzahl für direktere Proteste Richtung Stadtkirche zog, wo sich ebenfalls rund 350 ultrarechte Demonstrierende versammelt hatten. Dadurch wurde auch ein Demonstrationszug der rechten Seite verhindert, die deshalb nur im Kreis um die Stadtkirche zog. Wir hatten eine chirurgische Versorgung.

Karlsruhe:

In Karlsruhe beteiligten sich rund 1500 Antifaschist*innen am Gitterprotest auf dem Schlossplatz gegen rund 200 Rechtsextremist*innen, die ihre Versammlung in einem von Gittern umzäunten Bereich abhalten mussten. Es gab jeweils kurze Demonstrationen zur U-Bahn-Haltestelle. Wir sicherten die Proteste zusammen mit autonomen Demonsanitäter*innen ab, die 2 Behandlungen hatten. Wir selbst mussten nicht tätig werden. Wir bedanken uns herzlich für die gute Zusammenarbeit und freuen uns auf das nächste Mal.

Reutlingen:

Eine vierstellige Anzahl Personen nahm in Reutlingen an den antifaschistischen Protesten gegen rund 500 Rechtsradikale teil, die sich auf dem Bösmannsecker versammelt hatten. Dabei gelang es Gegendemonstrierenden bereits recht früh auf der Tübinger Straße, der geplanten Demonstrationsroute der Rechten, in Sichtweite zur rechten Versammlung, eine Blockade zu errichten. Als weitere Demonstrierende sich an Blockadeaktionen gegen den rechten Aufmarsch von der antifaschistischen Kundgebung im Bürgerpark aus beteiligen wollten, setzte die Polizei sofort und ohne Vorwarnung in größeren Mengen Pfefferspray und Schlagstöcke ein. Dabei kam es zu zahlreichen Verletzten. Während rund 200 Demonstrierende im Bürgerpark eingekesselt wurden, konnte sich ein anderer Teil der Demonstrierenden der Blockade in der Tübinger Straße anschließen, die sich im Verlauf aufteilte, um auch die Gminderstraße zu blockieren. Dadurch wurde die geplante rechte Demonstration zum Marktplatz erfolgreich blockiert, sodass diese nur über die Hauffstraße durch das samstags leere Industriegebiet ziehen konnte.

Im Anschluss formierte sich von den Blockaden aus ein Demonstrationszug zum Hauptbahnhof, wo die Abreise stattfinden sollte. Während der Demonstration provozierten rechte Störer*innen vom Rand aus eine Auseinandersetzung. Die Polizei nahm dies zum Anlass mit Polizeipferden in die Demonstration zu reiten. Dabei nahm sie keine Rücksicht auf unsere Einsatzkräfte und ritt fast eine klar erkenntliche Sanitätskraft um, die sich nur knapp in Sicherheit bringen konnte. Am Hauptbahnhof nutzte die Polizei die Abreise um mit Greiftrupps vermehrt Personen, teils mit starker körperlicher Gewalt, festzunehmen.

Auch wenn wir im Wesentlichen unserer Arbeit ungehindert nachkommen konnten, gab es immer wieder Situationen, in denen wir von der Polizei behindert wurden. Neben dem gefährlichen Vorfall mit dem Pferd wurden unsere Sanitätskräfte beim Begleiten der Demonstration immer wieder von der Polizei ohne Vorwarnung herum geschubst. Am Kessel in der Nähe des Bürgerparks war eine Versorgung von Verletzten zwar meist möglich, bedurfte aber immer wieder langwierigen Diskussionen mit den Beamt*innen, um medizinisch klar erforderliche und rechtlich nicht verweigerbare Maßnahmen zu ermöglichen.

Wir sicherten die Gegenproteste zusammen mit einer freien Demosanitäterin aus Mannheim sanitätsdienstlich ab und möchten uns bei ihr für die gute Zusammenarbeit bedanken. Zusammen hatten wir insgesamt 28 Versorgungen (20x Pfefferspray, 4x chirurgisch, 2x psychisch, 2x internistisch). Gerade nach dem Pfeffersprayeinsatz versorgten sich jedoch viele Teilnehmer*innen selbst, sodass von einer hohen Dunkelziffer, die das zwei- bis dreifache höher liegen dürfte, auszugehen ist.


Rheinmetall Entwaffnen: hohe Verletztenzahlen & verletzter Sanitäter

Dieses Wochenende sichert ein Team der Sanitätsgruppe Süd-West e.V. zusammen mit anderen Demosanitätsgruppen die Proteste von „Rheinmetall Entwaffnen“ in Kassel sanitätsdienstlich ab.

Im Verlauf der Blockadeaktionen am Freitag Morgen kam es dabei zu einem massiven Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken durch anwesende Polizeikräfte gegen Versammlungsteilnehmer*innen. In der Folge mussten insgesamt 87 Personen (80x Pfefferspray, 7x chirurgisch) behandelt werden. Wir bedanken uns an dieser Stelle neben den anderen Demosanitäter*innen vor allem bei den Versammlungsteilnehmer*innen, die die Behandlung tatkräftig unterstützt haben, indem sie Verletzte betreut oder weiteres Wasser für die Augenspülung besorgt haben. Im Zuge der Polizeimaßnahmen wurde auch ein Sanitäter der Sanitätsgruppe Süd-West e.V. durch Pfefferspray verletzt während er sich in einer Patient*innenbehandlung befand. Unsere Sanitätskräfte sind durch leuchtende Einsatzkleidung klar gekennzeichnet und von anderen Personen unterscheidbar.