Köln, den 03.09.2026. Die Sanitätsgruppe Süd-West ist der offizielle Sanitätsdienst des „Rheinmetall Entwaffnen“ Camps sowie der davon ausgehenden Protestaktionen in Köln und Umgebung. Unterstützt wird die Gruppe durch weitere Demosanitätsgruppen aus Köln und Hamburg. Zwei Teams begleiteten eine Gruppe von ca. 200 Demonstrierenden, die sich zu einer Blockadeaktion vor der Kaserne in Köln-Longerich gesammelt haben. Die Blockade wollte dabei ihre Ablehnung einer Wehrpflicht zum Ausdruck bringen und das an einem der Orte, von denen die ersten Musterungsbriefe vor Kurzem verschickt wurden und weiterhin werden.
Nach ca. 1,5 Stunden erklärte die Polizei die Versammlung für aufgelöst und begann die weiterhin bestehende Blockade zu räumen. Die geräumten Menschen wurden erkennungsdienstlich behandelt. In Sichtweite unserer Teams wurde dabei seitens der Polizeikräfte vor Ort mehrfach auf die an der Blockade teilnehmenden Menschen eingeschlagen mit dem Ziel, diese aus der Blockade zu entfernen. Mehrere Menschen wurden dabei verletzt, in sechs Fällen war eine anschließende Krankenhausbehandlung nötig.
In zwei Fällen ließen die Einsatzkräfte der Polizei die anwesenden Sanitäter*innen nicht zu der verletzten Person durch.
In einem Fall wurde lautstark von den Teilnehmenden der Blockade nach Sanitäter*innen gerufen. Wir versuchten, zu der verletzten Person zu gelangen, wurden dabei jedoch von der Polizei aufgehalten. Auch der mehrfache Hinweis, dass es sich durch das Verhindern der Behandlung um eine unterlassene Hilfeleistung handle, führte nicht dazu, dass eine Behandlung ermöglicht wurde. Es wurde angegeben, selbst nach der Person, die nach Hilfe ersuchte, zu schauen. Mehrfache Nachfragen nach der Qualifikation der von der Polizei gestellten Kräfte zur Beurteilung der verletzten Person wurde nach mehrfachem Ignorieren final damit beantwortet, dass man Rettungssanitäter*innen vor Ort hätte, aber keine Notfallsanitäter*innen. Bei Bedarf würde man die 112 wählen. Wir waren als Demosanitäter*innen mit vier Notfallsanitäter*innen vor Ort und mit einem Team in direkter Sichtweite der verletzten Person, sodass in diesem Fall wir als höher qualifiziertes Personal ein Recht gehabt hätten, die Person medizinisch zu versorgen. Kurze Zeit nach den Rufen nach Sanitäter*innen wurde durch die Sanitätskräfte beobachtet, wie eine Person durch Polizeibeamte aus der Blockade gebracht wurde. Diese war sichtlich verletzt. Es ist unklar, ob es sich hierbei um die Person handelte, wegen der um Hilfe gerufen wurde. Trotz offensichtlich schmerzverzerrtem Gesicht und deutlich sichtbarem Humpeln wurde eine Behandlung durch die Kräfte der Sanitätsgruppen weiterhin verweigert.
Eine weitere Person wurde im Verlauf der Blockade von Polizeikräften aus der Gruppe der Aktivist*innen herausgezogen. Unsere Einsatzkräfte konnten dies beobachten und schilderten, dass die Person am Hals gegriffen wurde. Einer unserer Kräfte wurde zugetragen, dass die Person wohl schon mehrfach Schläge auf den Kopf bekommen hätte. Beim Abführen lief die Person ein paar Schritte und sackte dann in sich zusammen. Auch hier kommunizierten unsere Sanitäter*innen wieder vor Ort mit der Polizei, dass hier eine fachliche Einschätzung durch eines unserer Teams zwingend erforderlich wäre. Dies wurde abgelehnt mit der Begründung, die Person könne ja sprechen.
Wir verurteilen, dass unsere Einsatzkräfte in mehreren Fällen nicht zu Patient*innen durchgelassen wurden.



















