Am vergangenen Donnerstag versammelten sich weltweit Menschen um gegen die Kriegsverbrechen der israelischen Regierung in Gaza zu demonstrieren. Aktueller Anlass war das Entern der Schiffe der Gaza-Hilfsflotte durch die israelische Armee. Auch in Karlsruhe demonstrierten am 2. Oktober ca. 400 Personen. Wir begleiteten die Demonstration sanitätsdienstlich.
Am Tag darauf folgte die Absicherung der Großdemonstration „Nie wieder Krieg – die Waffen nieder!“ in Stuttgart, zu der ein breites Bündnis aus fast 500 Initiative, Organisationen und Parteien aufgerufen hatte. Rund 15.000 Teilnehmer*innen setzten ein Zeichen gegen die aktuell zunehmende Militarisierung der Gesellschaft und den Aufrüstungskurs der Bundesregierung.
Die Sanitätsgruppe Süd-West e.V. sicherte von Dienstag den 26.08.2025 bis Sonntag den 31.08.2025 zusammen mit weiteren Demosanitäter*innen u.a. aus München und Mannheim das Protestcamp und die Aktionen des Bündnisses „Rheinmetall Entwaffnen“ sanitätsdienstlich ab. Dabei betrieben wir auf dem Camp mit mehr als 1000 Teilnehmer*innen eine Sanitätsstation und begleiteten Blockadeaktionen der Rüstungsindustrie, Demonstrationen und andere Aktionen rund um das Camp. Bei der Abschlussdemonstration am Samstag nahmen rund 3000 Demonstrierende Teil. Die Polizei stoppte im Verlauf die Demonstration und hielt einen Teil der Demonstrant*innen über Stunden in einem Polizeikessel fest. Aufgrund des brutalen Vorgehens kam es den ganzen Nachmittag, Abend und Nacht immer wieder zu Verletzten. Für ausführlichere Informationen verweisen wir auf unsere separate Pressemitteilung.
Insgesamt behandelten wir über die Woche zusammen mit anderen Demosanitäter*innen zusammen 371 Patient*innen, die sich wie folgt aufteilen:
227 chirurgische Behandlungen
68 Behandlungen wegen Pfefferspray
58 internistische Behandlungen
18 psychische Behandlungen
14 Patient*innen wurden an den öffentlichen Rettungsdienst übergeben. 14 Mal wurden Patient*innen eigenständig in ein Krankenhaus geschickt. In 7 Fällen wurden den Patient*innen eine Vorstellung in einer Arztpraxis angeraten.
Die Patient*innen teilen sich auf folgende Behandlungsorte auf:
218 Behandlungen im Camp (172x chirurgisch, 41x internistisch, 4x Pfefferspray, 1x psychisch – davon 9x Krankenhaus, 7x Arztpraxis, 1x Rettungsdienst | davon 88x in Zusammenhang mit Demonstration am Samstag – 84x chirurgisch, 4x Pfefferspray – 8x Krankenhaus, 1x Rettungsdienst)
6 Behandlungen bei Aktionen unter der Woche (3x chirurgisch, 2x internistisch, 1x psychisch)
147 Behandlungen bei Demonstration Samstag (64x Pfefferspray, 52x chirurgisch, 16x psychisch, 15x internistisch – davon 12x Rettungsdienst, 1x Polizist an Polizeiärztlichen Dienst, 5x Krankenhaus)
Unser eingesetzter Notarzt P. Vlatten ordnet die Zahlen ein: „Es ist normal, dass sich bei einem Camp mit über 1000 Personen, das fast eine Woche lang geht, auch Behandlungen ergeben. Wir hatten Wespenstiche, aufgerissene Füße durch Heringe, Schnitte im Finger und Vieles mehr. Würden die Zahlen bei 100 Behandlungen liegen, so wäre dies unserer Erfahrung noch relativ normal gewesen. Doch sie liegen deutlich höher. Auch wenn die Behandlungen auf den Aktionen unter der Woche selbst wenige waren, so kamen doch einige Leute im Camp danach mit Verletzungen durch die Polizei zu uns. Die Demonstration am Samstag mit Behandlungen vor Ort und von Personen, die danach ins Camp zurück kamen, ließ die Zahlen aber explodieren. So verzeichnen wir eine Zahl an Behandlungen und auch Übergaben an Rettungsdienst, Krankenhäuser und Arztpraxen, die ungewöhnlich hoch ist. Besonders die vielen Schläge auf den Kopf, die zu Verletzungen führten und die Berichte über sexualisierte Gewalt während Polizeimaßnahmen machen uns Sorgen für die Zukunft.“
Am gestiegen Samstag stand für uns der Sanitätsdienst beim Ostermarsch in Stuttgart auf dem Programm. Rund 4.500 Personen beteiligten sich an der traditionellen Friedensdemonstration, die nach einer Auftaktkundgebung mit mehreren Reden und Musik vom Schlossplatz aus einmal im Kreis durch die Innenstadt zog und wieder auf dem Schlossplatz endete. Als Beginn der Versammlung war die aktuelle Zeit der sogenannten Weltuntergangsuhr (89 Sekunden vor Zwölf) gewählt worden, die symbolisch aufzeigt, wie nah wir aktuell dem Weltuntergang durch Atomkrieg, Klimakatastrophe und Co. sind. Wir hatten keine Versorgungen.
Vom 03. bis 08. September sicherten wir zusammen mit anderen Demosanitätsgruppen die antimilitaristischen Proteste des überreginalen Bündnisses „Rheinmetall Entfaffnen“ in Kiel ab. Der Ort der Proteste war dabei nicht zufällig gewählt. Kiel ist als Stadt an der Ostsee nicht nur einer der größten und bedeutendsten maritimen Bundeswehr-Standorte, sondern auch ein wichtiger Sitz der deutschen Rüstungsindustrie. Neben dem namensgebenden Rüstungskonzern Rheinmetall, der hier mit einem Werk ansässig ist, werden in Kiel unter anderem U-Boote und andere Kriegsschiffe gefertigt.
Ab Dienstag, den 03. September beleuchteten zunächst verschiedene thematische Inputs und Workshops auf dem Protestcamp im Werftpark das Thema Antimilitarismus aus verschiedenen Blickwinkeln. Gegen Ende der Woche wurde es dann zunehmend aktionistischer. So zog man in der Nacht auf Freitag mit mehreren Hundert Teilnehmer*innen los, um die ansässige Rüstungsindustrie zu blockieren. Anscheinend war den Beschäftigten an diesem Tag jedoch frei gegeben worden. „Rheinmetall entwaffenen“ verbucht dies als Erfolg und interpretiert: „Allein unsere Anwesenheit in der Stadt hat die Arbeit in der Kieler Rüstungsindustrie für ein paar Tage stillgelegt.“
Am Samstag schließlich fand unter dem Motto „Gemeinsam gegen Kriegsprofiteure und Militarisierung“ die Abschlussdemonstration statt, an der sich laut dem Bündnis rund 1200 Personen beteiligten. Der Protestzug zog vom Kieler Bootshafen über den Hauptbahnhof zum Vinetaplatz, wo die Zwischenkundgebung stattfand. Im Anschluss lief man bis zur Werft von Thyssenkrupp Marine Systems. In dieser Werft werden moderne U-Boote gefertigt.
Die Polizei setzte bei der Aktion am Freitag und der samstäglichen Demonstration mehrfach Pfefferspray und körperlich Zwang gegen die Demonstrierenden ein. Es kam zu einigen Verletzten, die durch uns und weitere Demosanitäter*innen behandelt werden mussten. In Einzelfällen war eine Weiterbehandlung im Krankenhaus erforderlich.
Wir bedanken uns bei den anderen beteiligten Demosanitätsgruppen für die gute Zusammenarbeit.
Auch vergangene Woche waren wir wieder für euch im Einsatz. Am Mittwoch sicherten wir die Proteste gegen eine AfD Veranstaltung in Karlsruhe Neureuth unter dem Motto „Kein Tisch der AfD!“ ab. Am Samstag folgte dann der traditionelle Ostermarsch, eine jedes Jahr stattfindende Friedensdemonstration, in Stuttgart.
Damit sicherten wir im ersten Quartal 2024 insgesamt 19 Veranstaltungen und Demonstrationen – über 6 Einsätze pro Monat – ab. Diese Zahl übertrifft die Einsatzzahlen der vergangenen Jahre bei weitem. Besonders stechen die großen Proteste gegen die AfD nach dem Bekanntwerden ihrer Deportationspläne zu Beginn dieses Jahres aus der Statistik hervor und machen Mut für die Zukunft.
Auch in diesem Jahr sicherten wir wie in den vergangenen Jahren wieder zusammen mit anderen Demosanitäter*innen die Proteste gegen die NATO-Sicherheitskonferenz in München ab. Dabei hatten wir eine Behandlung.
Das Thema grade aktueller den je, fand auch dieses Jahr am Oster-Samstag der traditionelle Ostermarsch der Friedensbewegung in Stuttgart statt. Auch wir waren wieder mit dabei. Wir hatten 2 Behandlungen.
Am Samstag ging es für uns nach München. Dort sicherten wir zusammen mit den 2 bayrischen Demosanitätsgruppen die Proteste gegen die NATO Sicherheitskonferenz ab.
Dieses Wochenende sichert ein Team der Sanitätsgruppe Süd-West e.V. zusammen mit anderen Demosanitätsgruppen die Proteste von „Rheinmetall Entwaffnen“ in Kassel sanitätsdienstlich ab.
Im Verlauf der Blockadeaktionen am Freitag Morgen kam es dabei zu einem massiven Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken durch anwesende Polizeikräfte gegen Versammlungsteilnehmer*innen. In der Folge mussten insgesamt 87 Personen (80x Pfefferspray, 7x chirurgisch) behandelt werden. Wir bedanken uns an dieser Stelle neben den anderen Demosanitäter*innen vor allem bei den Versammlungsteilnehmer*innen, die die Behandlung tatkräftig unterstützt haben, indem sie Verletzte betreut oder weiteres Wasser für die Augenspülung besorgt haben. Im Zuge der Polizeimaßnahmen wurde auch ein Sanitäter der Sanitätsgruppe Süd-West e.V. durch Pfefferspray verletzt während er sich in einer Patient*innenbehandlung befand. Unsere Sanitätskräfte sind durch leuchtende Einsatzkleidung klar gekennzeichnet und von anderen Personen unterscheidbar.
Heute sicherten wir die Friedensdemonstration gegen das 100 Mrd. Euro Paket für die Bundeswehr in Stuttgart ab. Mehrere hundert Personen beteiligten sich an der Demonstration, die von der Lautenschlagerstraße einmal um die Innenstadt lief und am Schlossplatz endete.
Bereits kurz nach dem Start kam es zu einem unerfreulichen Zwischenfall. Eine Personengruppe, die am Rand der Demonstrationsroute eine Lokalität besuchte, wurde zunächst verbal ausfällig gegenüber der Demonstration. Dann übergoss eine Person aus dieser Gruppe eine Sanitätskraft von uns ohne erkennbaren Grund mit Bier. Wir verurteilen diesen provokativen Angriff.
Im weiteren Verlauf wurde die Demonstration mehrfach vorrübergehend durch die Polizei gestoppt und am Ende 2 Personen verhaftet. Trotzdem blieb die Demonstration besonnen, sodass es zu keinen Auseinandersetzungen kam. Wir hatten eine Behandlung.
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