Einsätze am 1. Mai

Kürzungen bei Kultur und Sozialem, drohende Einschränkungen erkämpfter Arbeitnehmer*innenrechte wie bspw. beim 8-Stunden Tag oder bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, internationale Konflikte, Militarisierung – auch im Jahr 2026 gab es viele Gründe für die Teilnehmer*innen der 1. Mai Demonstrationen in ganz Deutschland auf die Straße zu gehen. Wie auch schon in den Vorjahren waren wir erneut bei Demonstrationen in Waiblingen, Stuttgart und Karlsruhe vor Ort.


Waiblingen:
Unter dem Motto „Heute ist kein Wandertag, heute ist Kampftag“ fanden sich 300-400 Teilnehmer*innen für die 1. Mai Demonstration des DGBs in Waiblingen zusammen. Vom Stihlwerk 6 ging es mit guter Stimmung, Gesang, Parolen, Sprühkerzen und kleineren vorbereiteten Aktionen wie dem Durchrennen eines Transparentes, mit dem die drohende Wehrpflicht thematisiert wurde, zum Marktplatz. Am Rande der Demonstration wurde eine teilnehmende Person von einer mutmaßlich rechts gesinnten Person angegriffen und verletzt und musste in Folge dessen und musste daher von uns versorgt werden.


Stuttgart:
Der DGB konnte dieses Jahr mit 3500-4000 Teilnehmer*innen mehr Menschen zur diesjährigen 1. Mai-Demonstration in Stuttgart mobilisieren wie im Vorjahr. Nach einer 1,5 stündigen Auftaktkundgebung am Marktplatz, bei der es auch die Möglichkeit gab sich kulinarisch zu versorgen und verschiedene Organisationen an Infoständen kennenzulernen, lief die Demonstration über die Theodor-Heuss-Straße und den Schlossplatz wieder zurück zum Marktplatz. Dort endete die Versammlung mit einer Abschlusskundgebung, welche musikalisch untermalt wurde von einem feministischen Chor. Wir hatten vier Versorgungen. Im Anschluss zogen viele Teilnehmer*innen der DGB Demonstration zur revolutionären 1. Mai Demonstration auf den Kronprinzplatz. Nach einer Auftaktkundgebung mit mehreren Redebeiträgen lief die Demonstration bei sonnigen 23 Grad über die Tübinger Straße zum Marienplatz. Bei der dort stattfindenden Zwischenkundgebung thematisierte eine Intensivkrankenschwester die Probleme für die Beschäftigten durch die Kürzungen im sozialen Bereich. Von dort zog die Demonstration über den Erwin-Schöttle-Platz zum Linken Zentrum Lilo Hermann. Mit 2300 Teilnehmer*innen war es die größte revolutionäre 1. Mai Demonstration seit Jahrzehnten in . Wir hatten kaum Versorgungen.


Karlsruhe:
Der Tag in Karlsruhe startete für uns mit der sanitätsdienstlichen Absicherung der DGB-Demonstration, an der 800 – 900 Menschen teilnahmen. Diese lief vom Festplatz über die Rüppurrerstraße am Gewerkschaftshaus vorbei zum Marktplatz. Beim dort stattfindenden DGB Fest stellten sich mehrere Parteien und Gewerkschaften vor und es gab verschiedene Beiträge auf der Bühne, u.a. des Bürgermeisters Frank Mentrup, dessen Rede nicht nur für Zustimmung sorgte. Vom DGB Fest aus startete dann die revolutionäre 1. Mai Demonstration mit ca. 1000 Teilnehmer*innen. Diese wurde mehrfach von der Polizei gestoppt und letztendlich an der Ecke Wilhelmstraße/Werderstraße mit Tritten und Schlagstöcken am Weiterlaufen gehindert. Dabei wurden eine niedrige zweistellige Anzahl Demonstrationsteilnehmer*innen verletzt. Die Polizei löste dann die Demonstration an dieser Stelle auf. Nachdem die Teilnehmer*innen von Seiten der Polizei mehreren Minuten lang daran gehindert wurden, gemeinsam den Ort zu verlassen, gelang es schließlich doch noch, in die Luisenstraße weiterzuziehen und dort bei einem Stadtfest den Tag mit Musik, Essen und Programm zu beenden.


Demomarathon am 1. Mai

Am diesjährigen 1. Mai, bekannt als Tag der Arbeit oder Kampftag der Arbeiterklasse, sicherte die Sanitätsgruppe Süd-West e.V. mehrere Demonstrationen in verschiedenen Städten sanitätsdienstlich ab – eine gemeinsame logistische und personelle Kraftanstrenung. Nun freuen sich unsere Einsatzkäfte auf ihr warmes Zuhause und ihr kuscheliges Bett. Im Folgenden wollen wir in Kürze von unseren Einsätzen berichten.

Demonstrationen zu 1. Mai in Stuttgart:
Bereits früh trafen sich am heutigen Tage alle Einsatzkäfte aus Stuttgart in unseren Vereinsräulichkeiten. Mit der S-Bahn ging es zunächst zur Demonstration des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in den Stadtgarten bei der Universität. Von dort lief die große Gewerkschaftdemonstration einmal über Theodor-Heuss-Straße, Arnulf-Klett-Platz und Hauptstätter-Straße um den Cityring, um dann ihre Demonstration wieder im Stadtgarten zu beenden. Kurz vor Ende der DGB-Demonstration spaltete sich spontan ein Demonstrationszug ab, der in einem Bogen zur Auftaktkundgebung der revolutionären 1. Mai Demonstration am Karlsplatz führte. Hier wurden um 12 Uhr zunächst einige Reden gehalten, bevor mit einer Performace der Aufzug begann.

Eine vierstellige Zahl Demonstrant*innen zog über den Charlottenplatz hinter dem Landgericht vorbei zum Kernerplatz. In unmittelbarer Nähe zum türkischen Konsulat fand die Zwischenkundgbeung statt. Anschließend wurde die Demonstration bis zum Stöckackplatz fortgesetzt, wo sie mit weiteren Redebeiträgen beendet wurde. Bei den Demonstrationen in Stuttgart wurden von unseren Teams lediglich 2 Bagatellverletzungen behandelt. Bemerkenswert ist im Nachhinein vor allem die im Vergleich zu den Vorjahren beachtliche, schätzungsweise mindestens 3 bis 4x so hohe, Teilnehmer*innenzahl bei der Revolutionären 1. Mai Demonstration und die realtiv geringe Polizeipräsenz.

1. Mai Demonstration in Bingen a.R.:
Währenddessen hatte um 14 Uhr auch am Neff-Platz in Bingen am Rhein die Demonstration zum 1. Mai mit Redebeiträgen begonnen, die von einem weiteren unserer Teams abgesichert wurde. Mit einem kleinen Demonstrationszug ging es einmal im Kreis, unterbochen durch eine Zwischenkundgebung, durch die Bingener Innenstadt, bevor die Demonstration gegen 16 Uhr planmäßig mit wunderschöner Aussicht und Musik am Rhein-Nahe-Eck endete. Unsere Einsatzkräfte mussten nicht hier nicht medizinisch tätig werden.

Der 1. Mai in Waiblingen:
Auch in Waiblingen wurde am 1. Mai demonstriert. Um 14:45 begann auf dem Marktplatz die Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) mit Redebeauf und Musik. Im Anschluss führte die Rote 1. Mai Demonstration die Teilnehmer*innen zunächst zu einer Zwischenkundgebung auf dem Alten Postplatz, bevor es über den Hauptbahnhof zum Gewerkschaftshaus der IG Metall ging, wo die Demonstration mit einer Abschlusskundgebung endete. In Waiblingen kam es durch unsere Sanitätskräfte lediglich zu einer medizinischen Beratung.

Revolutionärer 1. Mai in Frankfurt a.M.:
Den Abschluss unseres Demomarathons stellte die Revolutionäre 1. Mai Demonstration in Frankfurt am Main dar. Gegen 18 Uhr versammelten sich eine vierstellige Zahl Teilnehmer*innen zu einer kurzen Auftaktkundgebung auf dem Opernplatz. Der Demonstrationszug führte im Anschluss über den Hauptbahnhof zur Gallusanlage. Hier kam es zu wiederkehrenden Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Demonstrant*innen. Dabei wurden mehrere Demonstrationsteilnehmer*innen durch die Polizei verletzt. Unsere Sanitäter*innen behandelten insgesamt 21 Patient*innen, hauptsächlich mit chirurgischen Verletzungen und nach Pfeffersprayeinwirkung. Ein*e Patient*in wurde dabei so schwer verletzt, dass er*sie an den Rettungsdienst übergeben werden musste. Von einer hohen Dunkelziffer weiterer Verletzter ist auszugehen.

Nachtrag:
Dieses Video von Fridays for Future Frankfurt zeigt, mit welcher unverhältnismäßigen Gewalt die Polizei Frankfurt gegen Demonstrierende bei der Revolutionären 1. Mai Demonstration in Frankfurt vorging: