Pressemitteilung Nr. 34: Rechter Aufmarsch in Stuttgart verhindert – Polizei behindert Notarzt

+++ Blockaden verkürzen rechte Demonstration, 32 Verletzte, Polizei stört Versorgung kritisch verletzter Person +++

Samstag, den 22.03.2025 – Heute riefen rechte Gruppierung unter dem Motto „Gemeinsam für Deutschland“ zu Aufmärschen in allen 16 Bundesländern auf. In Baden-Württemberg mobilisierte der rechte Rand des Querdenken-Spektrums zusammen mit verschiedenen Neonazi-Gruppierungen zu einer Kundgebung mit anschließendem Aufmarsch in den Stadtgarten von Stuttgart. An der rechten Versammlung beteiligte sich eine dreistellige Anzahl Personen. Ein geplanter Autokorso war im Vorfeld abgesagt worden.

Das breite Bündnis „Stuttgart gegen Rechts“, zu dem u.a. Die Linke, das Antifaschistische Aktionsbündnis Stuttgart & Region, ver.di, Grüne Jugend , JUSOS, Seebrücke, Fridays for Future und viele weiter Organisationen gehören, rief unter dem Motto „Den rechten Aufmarsch verhindern“ zu Gegenprotesten auf dem Börsenplatz und Blockaden auf, an denen sich eine vierstellige Zahl Gegendemonstrant*innen beteiligte. Es kam zu mehreren Spontandemonstrationen und Blockaden, die die geplante Route des rechten Aufmarschs erfolgreich blockierten, sodass dieser nur eine sehr verkürzte Stecke auf die Theodor-Heuss-Straße und direkt zurück zum Stadtgarten laufen konnte. Die Polizei setzte mehrfach Pfefferspray und Schlagstöcke gegen die Gegendemonstrant*innen ein.

Die Sanitätsgruppe Süd-West e.V. sicherte zusammen mit einer unabhängigen Demosanitäterin die Gegenproteste notfallmedizinisch ab. Dabei mussten wir insgesamt 32 Patient*innen behandeln. 4 Patient*innen mussten zur Weiterbehandlung an den öffentlichen Rettungsdienst oder ein Krankenhaus übergeben werden. Wir bedanken uns beim Deutschen Roten Kreuz Stuttgart, das uns als Sanitätsdienst einer nahen Veranstaltung unterstützte, sowie bei den Kolleg*innen des öffentlichen Rettungsdienstes für die gute Zusammenarbeit.

Bei der Behandlung einer kritisch verletzten Person behinderte die Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) der Polizei aktiv die Arbeit unseres Notarztes. Die betreffende Person war offensichtlich und ärztlich festgestellt nicht vernehmungsfähig und befand sich in einer dringlichen notfallmedizinischen Behandlung. Dennoch setzten sich die Polizeibeamt*innen über unseren Notarzt hinweg und führten eine Vernehmung und eine erkennungsdienstliche Behandlung durch. Wir kritisieren dieses Verhalten der Polizei, welches Strafverfolgung über Menschenleben und die Verhinderung schwerer Gesundheitsschäden stellt, scharf.

Aufschlüsselung Verletztenzahlen:

  • 16x chirurgisch
  • 2x internistisch
  • 6x Reizgas
  • 8x psychisch

(davon 4 Übergaben an Rettungsdienst/Krankenhaus)


Demonstration zum Frauenkampftag

Heute sicherten wir die Demonstration zum Frauenkampftag in Karlsruhe sanitätsdienstlich ab. Es Beteiligten sich rund 1000 Personen an der Versammlung zum 8. März. Wir hatten eine Behandlung mit Übergabe an den öffentlichen Rettungsdienst und wünschen unserer*m Patient*in eine schnelle Genesung.


Rettungsdienst-Fortbildung

Heute hielt unser Vorstand Peer Vlatten im Rahmen einer Rettungsdienst-Fortbildungsreihe einen Vortrag im Karl-Olga-Krankenhaus Stuttgart zum Thema Einsätze auf Demonstrationen – Einsatztaktik & Versorgungsstrategien im Versammlungskontext. In 1,5 Stunden erfuhren die Anwesenden nicht nur mehr über die Arbeit von Demosanitäter*innen, sondern erhielten auch Grundlagenwissen über verschiedene Einsatzsituationen und die unterschiedlichen Akteur*innen auf Versammlungen. Der Vortrag endete mit dem Thema Pfefferspray und Tränengas.

Wir danken dem Karl-Olga-Krankenhaus und dem Inside-Team e.V. für die Einladung.

Der nächste Vortrag der Fortbildungsreihe findet am 27. Oktober um 20 Uhr im Konferenzraum K4/5 Ebene 5 im Karl-Olga-Krankenhaus zum Thema Krampfanfall statt.


Hohe Verletztenzahlen bei Protesten gegen Nazi-Aufmarsch in Mainz

Heute sicherten unsere Sanitätskräfte parallel die antifaschistischen Proteste gegen den AfD-Landesparteitag in Stuttgart / Leinfelden-Echterdingen und gegen den Naziaufmarsch in Mainz ab.

Während es in Stuttgart weitgehend ruhig bleib und niemand von uns behandelt werden musste, kam es in Mainz zu einer hohen Zahl von verletzten Demonstrierenden, vor allem durch Polizeimaßnahmen. Unsere Sanitäter*innen versorgten insgesamt 70 Patient*innen (47x Pfefferspray, 20x chirurgisch und 3x internistisch). Insgesamt 9 Patient*innen mussten von uns in eine ärztliche Weiterbehandlung oder an den öffentlichen Rettungsdienst übergeben werden. Weitere Demosanitäter*innen anderer Gruppen und der öffentliche Rettungsdienst (mit Organisatorischem Leiter Rettungsdienst) waren vor Ort und versorgten weitere Patient*innen, sodass von einer deutlich höheren Gesamtzahl auszugehen ist.

Wir bedanken uns besonders beim öffentlichen Rettungsdienst und den vor Ort befindlichen Feuerwehrleuten, sowie den anderen beteiligten Demosanitäter*innen für die professionelle Zusammenarbeit zum Wohle der Patient*innen.


Fortbildung besucht – nächstes Jahr mit dabei

Gestern Abend haben wir mal wieder die Gelegenheit genutzt, und zusammen eine Fortbildung aus der Reihe „Retter-Update – Neues aus dem Rettungsdienst“ von InsideTeam und Malteser Hilfsdienst e.V. Gliederung Kornwestheim- Ludwigsburg besucht. In einem sehr gut gestalteten Vortrag setzte sich Dr. med. Johannes Müller, Chefarzt der Anästhesie im Karl-Olga-Krankenhaus mit den notwendigen Maßnahmen nach dem Lebensende auseinander.

Wir freuen uns, dass die Fortbildungsreihe im kommenden Jahr fortgesetzt wird. Besonders aber sind wir darüber erfreut, dass 2019 auch von uns ein Dozent einen Vortrag referieren wird. Mehr dazu, sobald das Programm steht und veröffentlicht ist.

Ergänzung:

Leider findet die Fortbildungsreihe dieses Jahr nicht mehr statt, sodass auch von uns kein Vortrag in diesem Rahmen stattfinden wird. Das Inside Team bietet aber in Heilbronn zusammen mit den Johannitern eine neue und interessante Fortbildungsreihe an.


Rheinland-Pfalz will Privatisierung im Rettungsdienst entgegen wirken

Wir begrüßen den Gesetzesvorstoß des rheinland-pfälzischen Innenministers, künftig die Notfallrettung bevorzugt an gemeinnützige Hilfsorganisationen zu vergeben. Die Kombination mit der hauptamtlichen Tätigkeit stärkt das Ehrenamt als wichtige Säule des Katastrophen- und Bevölkerungsschutzes. Gemeinnützigkeit statt Gewinnorientierung beugt außerdem dem Trend vor, dass PatientInnen als Ware betrachtet werden, statt als Menschen. Wir hoffen, dass weitere Landesregierungen dem Beispiel von Rheinland-Pfalz folgen werden.

https://www.skverlag.de/rettungsdienst/meldung/newsartikel/rheinland-pfalz-will-nur-hilfsorganisationen-im-rettungsdienst.html


Eine Tragödie im Mittelmeer

Im den vergangenen Wochen ist die Zahl der Todesfälle im Mittelmeer dramatisch angestiegen. Grund ist, dass die Regierungen von Malta und Italien sämtliche zivilen Seenotrettungsschiffe mit vorgeschobenen Gründen am Auslaufen hindern und auch Suchflugzeuge nicht mehr starten dürfen. Gleichzeitig halten aber die Flüchtlingszahlen an, die in kleinen Schlauch- oder Holzbooten den gefährlichen Weg übers Mittelmeer wagen. Auch unsere Bundesregierung bekleckert sich aktuell nicht mit Ruhm, indem sie angeblich notwendige Regeln für die zivile Seenotrettung fordert, statt die Einhaltung internationalen Seerechts anzumahnen, welches zur Seenotrettung verpflichtet.

Wir fordern die Regierungen der Europäischen Union auf, zivile Seenotrettung nicht weiter zu behindern, um weitere Todesfälle zu verhindern. Die Freiwilligkeit einer Hilfeleistung macht diese nicht weniger berechtigt und weniger notwendig! Auch hier in Deutschland stützen sich Rettungsdienst, Katastrophenschutz und Feuerwehren auf viele freiwillige HelferInnen. Sie zu behindern wäre genauso fatal. Unsere Solidarität gilt den Kolleginnen und Kollegen, die nun kriminalisiert werden, weil sie ihre Freizeit dafür opferen, Leben retten zu wollen!