8,5 Stunden Polizeikessel bei Protesten gegen rechte Demonstration in Stuttgart

Am Samstag, den 07. März 2026 veranstaltete „Baden-Württemberg steht auf“ (ein rechtes, AfD-nahes Bündnis aus dem Querdenkenspektrum) in Stuttgart eine Kundgebung mit anschließender Demonstration. Dagegen gab es antifaschistischen Protest.

Gegen 12 Uhr erschienen ca. 700 Teilnehmende der Stuttgart gegen Rechts Kundgebung auf dem Marienplatz, welcher zu diesem Zeitpunkt komplett frei zugänglich war.  Kurze Zeit später liefen Hundertschaften der Polizei auf den Marienplatz. Mit Gewalt wurde der rechten Demonstration von der Polizei der Platz auf dem Marienplatz frei gemacht und die Gegendemonstrierenden unter Einsatz von Schlagstöcken und größeren Mengen Pfefferspray vom Marienplatz gedrängt und am Rande des Marienplatzes festgesetzt. Die Festsetzung mehrerer hundert Demonstrierenden begann gegen 12:45 Uhr und endete erst 8,5 Stunden später um 21:15 Uhr. So wurde durchgesetzt, dass die ca. 200 Teilnehmer*innen von „Baden-Württemberg steht auf“ ihre Route in die Innenstadt laufen konnten. Einige Gegendemonstrierende stellten sich trotzdem der Demo entgegen, sie wurden von der Polizei auf der Tübingerstraße aufgehalten. Dennoch blieb die rechte Demonstration auch in der Innenstadt nicht ohne Widerspruch. Rund 200 Personen brachten auch auf dem Schlossplatz lautstark ihren Protest gegen die Rechten auf die Straße. In einem Fall wurde unseren Sanitätskräften von der Polizei untersagt, eine verletzte Person zu untersuchen. Dies kritisieren wir scharf.

Insgesamt 71 Patient*innen:
– 46x Pfefferspray
– 11x interniatisch
– 9x chirurgisch
– 5x psychisch
(insgesamt 8 Übergaben an den öffentlichen Rettungsdienst, davon 2x First Responder mit 4 Patient*innen)


Proteste gegen rechte Mahnwache in Pforzheim

Seit vielen Jahren dient der Jahrestag der Bombardierung Pforzheims im 2. Weltkrieg für ultrarechte Kräfte als Anlass für eine geschichtsrevisionistische Mahnwache, die ebenfalls seit vielen Jahren von antifaschistischem Protest begleitet wird. Auch wir sichten schon häufig die antifaschistischen Proteste an diesem Tag sanitätsdienstlich ab, so auch heute. Während es in anderen Jahren teilweise viel für uns zu tun gab, hatten wir heute zum Glück keine Patient*innen.


Proteste gegen AfD-Remigrationsveranstaltung

Am heutigen Sonntag beteiligten sich rund 1000 Personen an den Protesten gegen eine Veranstaltung zum Thema „Remigration – Theorie und Praxis“ in Ettlingen. Die sogenannte Alternative für Deutschland hatte den rechtsextremen ehemaligen Sprecher der Identitären Bewegung Martin Sellner eingeladen. Ein Verbot dessen Auftritts war kurz vor der Veranstaltung gerichtlich gekippt worden. Wir sicherten die Gegenproteste sanitätsdienstlich ab, mussten aber glücklicherweise keine Patient*innen versorgen.


Vereinsfeier und 2 Einsätze

Gestern war bei uns mal wieder volles Programm. Neben der jährlichen Vereinsfeier in unseren Räumlichkeiten sicherten wir auch noch zwei Versammlungen ab. Zum einen begleiteten wir die Proteste gegen die rechte Mobilisierung „Baden-Württemberg steht auf“ in Pforzheim. Zum anderen sicherten wir die Demonstration gegen den Angriff der islamistischen HTS, die sich als Übergangsregierung Syriens bezeichnet, auf Rojava ab. Bei beiden Einsätzen hatten wir keine Versorgungen.


Widersetzen – Proteste gegen Gründung der neuen AfD-Jugendorganisation

Das bundesweite Widersetzen-Bündnis rief am heutigen Samstag zum Widersetzen gegen die Gründungssitzung der neuen Jugendorganisation der gesichert rechtsextremen AfD auf. Das Ordnungsamt erklärte die Gießener Weststadt zur Protestverbotszone, was bereits seit Anfang der Woche für bundesweite Schlagzeilen und mehrere Gerichtsverfahren sorgte. David Werdermann von der Gesellschaft für Freiheitsrechte führte gegenüber netzpolitik.org aus „Die Versammlungsfreiheit umfasst auch die freie Wahl des Ortes, dem insbesondere bei Gegenprotesten eine besondere Bedeutung zukommt.“. Trotz aller Bemühungen gab es, abgesehen vom Bus des Zentrums für politische Schönheit (Adenauer SRP+) und einem Anarchie-Camp mit ca. 20 Personen, keine genehmigte Kundgebung in Sicht- und Hörweite.

Am heutigen Samstag ließ sich eine mittlere fünfstellige Zahl an Demonstrierenden nicht davon abhalten, ihrem Unmut gegenüber der Neugründung dieser Jugendorganisation Raum zu verschaffen. Um die Anreise der Teilnehmer*innen des Gründungskongresses zu verhindern, fuhren etwa 200 Busse an verschiedene Orte rund um die Stadt Gießen. Bereits um 22 Uhr war für unsere Sanitäter*innen Abfahrt in Stuttgart. Zwei unserer Teams begleiteten verschiedene Finger seit den frühen Morgenstunden mit wenig Schlaf und schweren Rucksäcken über Straßen und unwegsames Gelände.

An etwas Frühsport in Form von kurzen Sprints mangelte es auch nicht. Schließlich meldete der Widersetzen Aktionsticker gegen 7:30 Uhr 11 Blockadepunkte, die die Zufahrtswege zur Messe Gießen weiträumig versperrten. Immer wieder gab es Zusammenstöße mit der Polizei, Räumungen und einige kleinere Versorgungen durch unsere beiden Teams. Nach einer Spontandemonstration in die Nähe der Messehallen, gab es noch eine Dusche durch Wasserwerfer für die Demonstrierenden. Diese beendete dann die Spontandemonstration und in Folge dessen auch unseren Einsatz vor Ort.

Neben uns beteiligten sich viele Teams von verschiedenen Sanitätsstrukturen und Gruppen aus ganz Deutschland am Einsatz. Unsere Teams befinden sich wieder auf dem Heimweg, wo noch das Nötigste verräumt und die Einsatzkleidung wieder gegen die Private im Vereinsheim getauscht werden kann. Ein 24-Stunden-Dienst der etwas anderen Art und körperlich sehr fordernd. Wir bedanken uns ganz ausdrücklich bei den anderen Teams für die tolle Zusammenarbeit vor Ort, besonders jedoch bei der Sani-AG des Widersetzen-Bündnisses, die den Einsatz im Vorfeld geplant und die Sanitätskräfte vor Ort koordiniert haben.


„Es langt!“ Demo in Göppingen

Gestern haben wir die „Es langt!“ Demonstration in Göppingen sanitätsdienstlich abgesichert. Ca. 200 Menschen protestierten gegen den Rechtsruck, der sich auch in Göppingen bemerkbar macht. Dort kommt es immer wieder zu Angriffen auf migrantische, queere und links gelesene Personen.

Wir hatten drei kleinere Behandlungen.


Kicken gegen Rechts Stuttgart 2025

Auch dieses Jahr sicherten wir wieder das „Kicken gegen Rechts“ (vormals „Kicken gegen Rassismus“) in Stuttgart ab. Am gestrigen Samstag traten auf dem Fußballplatz des SV Heslach verschiedene Mannschaften freundschaftlich in einem Turnier gegeneinander an. Einige waren sogar extra vom anderen Ende Deutschlands angereist. Neben Fußball gab es verschiedene Redebeiträge und Infostände. Auch für Essen und Trinken war natürlich ausreichend gesorgt.

Wir versorgten als Sanitätsdienst 36 Patient*innen, vor allem mit kleineren Blessuren aufgrund sportlicher Aktivität. Außerdem nutzen wir die Gelegenheit um mit den Anwesenden an unserem Infostand die Erste Hilfe bei Bewusstlosigkeit und Herz-Kreislauf-Stillstand zu üben. Auch gab es ein Quiz, das eingebettet in eine kleine Geschichte Erste Hilfe Wissen abfragte. Hinterher konnte man sich die Lösung an unserem Infostand anschauen und uns Fragen dazu stellen. Wir freuen uns, dass an dem Quiz so zahlreich teilgenommen wurde.

Besonders toll fanden wir die Wertschätzung, die uns am Ende des Turniers zu Teil wurde, als uns im Rahmen der Sieger*Innenehrung ein Pokal für unsere ehrenamtliche Arbeit überreicht wurde.


Maja: 21 Tage Hungerstreik – Was bedeutet das für den Körper?

Im Juni 2024 lieferte Deutschland rechtswidrig die antifaschistische Person Maja nach Ungarn aus, obwohl ein Verfahren beim Bundesverfassungsgericht anhängig war, das diese Auslieferung kurze Zeit später untersagte. Trotzdem sitzt Maja seither in Ungarn unter miserablen hygienischen Zuständen in Isolationshaft, was die Definition von Folter erfüllt. Seit 21 Tagen ist Maja nun im  Hungerstreik und fordert eine Verbesserung dieser Situation.

Da dieser Justizskandal aktuell in aller Munde ist, wollen wir im Folgenden die medizinischen Aspekte eines Hungerstreiks kurz erläutern. Was bedeutet dieser für den Körper? Was geht in ihm vor und ab wann wird es gefährlich?

1.) Typen des Nahrungsmangels
Je nachdem, was bei einem Hungerstreik noch zu sich genommen wird, werden verschiedene Typen unterschieden:
– Bei der teilweisen Nahrungskarenz werden einige Nährstoffe, Spurenelemente, etc. noch zugeführt. Dies können z.B. Vitamine oder Elektrolyte, aber auch Zucker sein. Was zu sich genommen wird, liegt in der Entscheidung der Hungerstreikenden Person. Je nachdem, welche Stoffe der Körper noch bekommt, hält er einen Hungerstreik länger durch und Organschäden oder der Tod treten später auf. Aus medizinischer Sicht sind gerade Vitamin B1 und Elektrolyte wichtig um gesundheitliche Schäden durch den Hungerstreik zu minimieren.
– Bei der vollständigen Nahrungskarenz wird durch die hungerstreikende Person ausschließlich Wasser zu sich genommen. Der Körper stellt vollständig auf einen Hungerstoffwechsel um, den wir euch im Folgenden näher erklären werden.
– Beim trocknen Hungerstreik wird auch keine Flüssigkeit mehr zugeführt. Dadurch treten Symptome deutlich schneller auf. Es kommt innerhalb von 3 bis 4 Tagen ohne komplette Umstellung auf einen Hungerstoffwechsel zu Tod.

2.) Der Hungerstoffwechsel
Beim Hungerstoffwechsel kommt es zu einer Reihe von hormonellen Veränderungen im menschlichen Körper mit dem Ziel die Stoffwechselaktivität zu reduzieren (z.B. durch weniger Schilddrüsenhormone), die Nahrungsaufnahme zu fördern (z.B. durch Steigerung des Hungerhormons Ghrelin und Abnahme des Sättigungshormons Leptin) und Energiereserven des Körpers zu mobilisieren (z.B. durch Abnahme des Insulinspiegels und Steigerung des Hormons Glukagon für den Kohlenhydratabbau).

Zunächst überwiegt der Abbau von Kohlenhydratreserven (Glykogen) aus Leber, Nieren und Muskeln. Diese Reserven sind nach 1 bis 2 Tagen aufgebraucht.

Gleichzeitig beginnt nach und nach ein zunehmender Abbau der Fettreserven, die zu Ketonkörpern als Energieträger umgebaut werden. Dies führt zu einem typischen Acetongeruch beim Ausatmen und einer zunehmenden Übersäuerung des Blutes. Manche Gewebe, wie das Gehirn, können Ketonkörper erst nach einer Umgewöhnungsphase als Energieträger nutzen und sich zuvor auf Glucose angewiesen.

Außerdem baut der Körper vor allem aus der Muskulatur Proteine ab und wandelt diese in Glucose um. Dieser Abbau findet zunächst mit ca. 50 bis 70g pro Tag schneller statt und nimmt im Verlauf ab, sodass nach 2 Wochen noch ca. 20 bis 25g pro Tag abgebaut werden. Um diesen Abbau zu verlangsamen, sollten Hungerstreikende ein leichtes Bewegungstraining absolvieren. Ein Aufbrauchen von 30 bis 50% des Körpereiweiß sind tödlich.

3.) Die Hungerphasen
Wie lange der menschliche Körper eine Nahrungskarenz überstehen kann, ist individuell sehr unterschiedlich und hängt von vielen Faktoren, z.B. von der körperlichen Konstitution, Vorerkrankungen und Alter, ab. Dies ist einer der Gründe, warum eine medizinische Beratung und anschließende Betreuung durch solidarische Mediziner*innen vor einem Hungerstreik unerlässlich ist, soweit es die Bedingungen zulassen.

Der folgende Verlauf ist typisch, aber kann individuell zeitlich sehr variieren:

Tag 1 bis 3:
Man verspürt ein zunehmendes Hungergefühl, Magenkrämpfe und der Blutzuckerspiegel sinkt. Der Energiebedarf wird durch hauptsächlich Kohlenhydratreserven gedeckt.

Tag 4 bis 13:
Es kommt zu einem spürbaren Gewichtsverlust durch den Abbau von Fett- und Proteinreserven. Durch Verschiebung der Elektrolyte aus den Zellen bleiben die Elektrolytspiegel noch weitgehend konstant. Der Stoffwechsel reduziert sich.

Tag 14 bis 34:
Der Gewichtsverlust setzt sich nun langsamer fort. Die Muskulatur ist bereits deutlich abgebaut. Das Blut übersäuert nach und nach durch die anfallenden Ketonkörper. Normal ist ein PH-Wert zwischen  7,35 und 7,45. Bei weniger als 7,35 spricht man von einer Azidose (Übersäuerung). Spätestens ein PH von 6,8 ist nicht mehr mit dem Leben vereinbar. Es beginnt ein Vitamin B1 Mangel. Vitamin B1, auch Thiamin genannt, wird im Körper zu einem Coenzym verstoffwechselt, welches für die Funktion verschiedener Enzyme unerlässlich ist. Bei einem Mangel kommt es vor allem zu neurologischen Ausfallerscheinungen. Es kann aber auch die Funktion des Herz-Kreislauf-Systems und die Psyche beeinträchtigt werden. Diese Phase wird u.a. durch Müdigkeit, Schwindel, Durchfall, Wassereinlagerungen, Kältegefühl und Bewegungsstörungen symptomatisch. Puls und Blutdruck reduzieren sich.

Tag 35 bis 42:
Diese sogenannte „okuläre Phase“ fällt aufgrund des zunehmenden Vitamin B1 Mangels vor allem durch Symptome der Augen auf. Es kommt zu Sehstörungen, Doppelbildern, Schielen und anderen Bewegungsstörungen der Augen. Hinzu kommen weitere neurologische Symptome, u.a. Übelkeit und Erbrechen, sowie Schluckstörungen. Spätestens jetzt ist ein lebensgefährlicher Zustand erreicht. Durch zunehmende Konzentrationsschwäche und den Verlust des Urteilsvermögens kann  die hungerstreikende Person keine Entscheidungen mehr für sich selbst treffen. Wir empfehlen daher frühzeitig zusammen solidarischen Mediziner*innen den Willen der Hungerstreikenden Person schriftlich zu fixieren, damit medizinisches Personal rechtssicher im Sinne der betroffenen Person Entscheidungen fällen kann. Dies ist nur so lange möglich, wie die Person vollständig zurechnungsfähig ist und sollte daher nicht zu spät erfolgen.

Ab Tag 43:
Nun beginnt die Sterbephase. Dabei kann die genaue Todesursache unterschiedlich sein. Beispielsweise kann es aufgrund des zunehmend geschwächten Immunsystems zu einer schweren Blutvergiftung (Sepsis) kommen, die vom Körper nicht mehr bewältigt werden kann. Bereits vor dieser Phase ist das Immunsystem nicht mehr in gleicher Weise leistungsfähig. Daher sollte um Umgang mit Hungerstreikenden auf eine ausreichende Hygiene und das Tragen einer Maske geachtet werden. Durch die fehlende Energie bricht mit der Zeit aber auch ohne Infektion das Herz-Kreislauf-System zusammen, oft begleitet von Herzrhythmusstörungen, oder es kommt zu einem Multiorganversagen.

4.) Das Refeeding Syndrom
Es erscheint zunächst total unintuitiv, aber Essen nach einem Hungerstreik kann sehr gefährlich sein! Bei vorerkrankten, untergewichtigen oder geschwächten Personen kann es bereits ab dem 5. Tag eines Hungerstreiks bei Nahrungsaufnahme zu einem sogenannten Refeeding Syndrom (RFS) kommen. Ansonsten ist ab dem 10. Tag damit zu rechnen.

Beim Refeeding Syndrom führt die Nahrungsaufnahme zu einer Fehlregulierung von Hormonen und Stoffwechsel. Der plötzlich Anstieg des Blutzuckers sorgt z.B. für eine Ausschüttung von Insulin, das u.a. auch die Aufnahme von Elektrolyten in die Zellen fördert und so den Elektrolytmangel verstärken kann. Ein weiterer Mechanismus ist das Aufbrauchen von Co-Faktoren, wie Vitaminen, wenn der Körper zu schnell wieder auf einen anabolen (aufbauenden) Stoffwechsel umstellt. Diese und weitere Mechanismen können je nach auftretendem Mangel zu vielen unterschiedlichen Symptomen führen, die teilweise lebensgefährlich sein können.

Entsprechend muss nach einem Hungerstreik die Nahrungsaufnahme z.B. über eine Woche hinweg langsam gesteigert werden, um einem Refeeding Syndrom vorzubeugen. Oft ist dies bei einem fortgeschrittenen Hungerstreik nur noch unter klinischen Bedingungen sicher umsetzbar, da es z.B. Laborkontrollen bedarf, um ein Refeeding Syndrom frühzeitig zu erkennen. Tritt ein Refeeding Syndrom auf, so ist i.d.R. eine intensivmedizinische Therapie unumgänglich.

5.) Mehr erfahren
Auf unserer Webseite findet ihr eine Seite mit weiteren Informationen zum Thema Hungerstreik. Diese beschäftigt sich vor allem damit, was vor, während und nach einem Hungerstreik zu beachten ist : https://demosanitaeter.com/hungerstreik/

Für medizinisches Fachpersonal hat der Verein Demokratischer Ärzt*innen (VDÄÄ*) einen Reader herausgebracht, den wir, auch wenn schon 2014 erschienen, sehr empfehlen können:
https://www.vdaeae.de/wp-content/uploads/2014/12/vdaeae_Hungerstreik_Reader_2014.pdf

In der Deklaration von Malta aus dem Jahr 1991 hat der Weltärztebund außerdem Regeln für die Behandlung von Hungerstreikenden festgelegt.

Wenn ihr mehr über Maja erfahren wollt, dann findet ihr hier einige Informationen: https://www.basc.news/maja/

Wir wünschen Maja viel Kraft in dieser schweren Zeit.

Alle Angaben ohne Gewähr. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Aufklärung vor einem Hungerstreik.


Pressemitteilung Nr. 35: Pforzheim bleibt bunt / Polizei behindert mehrfach Sanitätsdienst

+++ mindestens 14 Patient*innen, 2x Rettungsdienst, Polizei behindert mehrfach medizinische Versorgung, rund 1200 Teilnehmer*innen auf dem CSD +++

Pforzheim, den 14 Juni 2025, überall in Deutschland mobilisiert in diesen Tagen eine erstarkende Neonazi-Szene gegen Christopher-Street-Days (CSDs), so auch an diesem Samstag in Pforzheim. Rund 70 Personen aus dem rechtsextremen Spektrum folgten dem Aufruf des sogenannten „Störtrupps“. Mit 1200 Personen übersteigt die Teilnehmendenzahl des CSDs diese rechten Proteste bei weitem. Außerdem hatten verschiedene antifaschistische Bündnisse zu einem direkten Protest gegen die rechte Demonstration aufgerufen. Hier beteiligten sich rund 300 Personen. Dabei setzte die Polizei die Demonstration der Rechten trotz eines Blockadeversuchs durch. Es kam mehrfach zu kleineren Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Demonstrierenden, sowie zu einer Einkesselungssituation.

Als Sanitätsgruppe Süd-West e.V. waren wir als ehrenamtlicher Sanitätsdienst der antifaschistischen Proteste vor Ort und unterstützten die Kolleg*innen des DRK Pforzheim bei der sanitätsdienstlichen Absicherung des Christopher Street Days. Dabei versorgten wir insgesamt 13 Patient*innen (9x chirurgische und 4x internistisch; Versorgungszahlen des DRK Pforzheim nicht mit eingerechnet, Patient*in aus 1. Situation unten nicht mit eingerechnet). Dabei kam es zwei Mal zu einer massiven Behinderung der medizinischen Behandlung durch die Polizei:

  • In der ersten Situation ließ die Polizei unser vor Ort befindliches Sanitätsteam nicht zu der*m Patient*in durch. Stattdessen wurde unserem Team unterstellt, dass wir keine „richtigen Sanitäter*innen“ wären. Im weiteren Verlauf wurden die Anfragen unseres Teams durchgelassen zu werden von der Polizei einfach ignoriert. Die Patient*innenversorgung musste schließlich vom DRK Pforzheim übernommen werden. Die medizinische Behandlung vor Ort wird grundsätzlich durch die höchstausgebildeste medizinische Einsatzkraft geleitet. Diese Funktion hatte in diesem Falle der*die in unserem Team befindeliche Notfallsanitäter*in (3-jährige Berufsausbildung), der*die nicht zur Patientin durchgelassen wurde, inne. Durch dieses Vorgehen der Polizei wurde eine unnötige Gefährdung der zu behandelnden Person erzeugt.
  • In einer zweiten Situation wurde unser Team bei einer Patient*innenbehandlung stark behindert. Trotz mehrfacher Aufforderung ließ die Polizei keinen Platz für eine adäquate Behandlung und stand eng um den*die Patient*in herum. Mehrfach schubste die Polizei ohne ersichtlichen Grund in der Nähe stehende Personen herum und gefährdete unser Team und die Patient*in dadurch zusätzlich. Im Verlauf wurde dann ohne Rücksicht auf die immer noch stattfindende medizinische Versorgung durch die Polizei mit einer Erkennungsdienstlichen Behandlung (ED-Behandlung) begonnen.

Beide Patient*innen wurden zur weiteren Versorgung mit dem öffentlichen Rettungsdienst in ein Krankenhaus gebracht.

Wir kritisieren scharf das Verhalten der Polizei in diesen Situationen, welche vorsätzlich die notfallmedizinische Behandlung behinderte. Bedanken möchten wir uns hingengen beim DRK und dem ASB aus Pforzheim für die gute und kollegiale Zusammenarbeit.

(Die Personenzahlen der Veranstaltungen beruhen auf Schätzung unserer Einsatzkräfte vor Ort und können von den Angaben der Polizei und Veranstalter*innen abweichen.)